Buch der Lieder.
Sonette.
Soncttcnkranz an A. W. Vvn Schlcgcl.
1.
Der schlimmste Wurm: des Zweifels Dolchgedankcn,Das schlimmste Gift: an eigner Kraft verzagen,Das wollt' mir fast des Lebens Mark zernagen;Ich war ein Neis, dem feine Stützen sanken.
Da mochtest du das arme Reis beklagen,An deinem güt'gen Wort läßt dn eS ranken,
Und dir, mein hoher Meister, soll ich's danken,
Wird einst das schwache Reislein Blüten tragen.
O mögst dn's ferner noch so sorgsam warten,Daß es als Baum einst zieren kann den GartenDer schönen Fee, die dich zum Liebling wählte.
Von jenem Garten meine Amin' erzählte:
Dort lebt ein heimlich wundersüßes Klingen,Die Blumen sprechen und die Bäume singen.
2.
Im Neifrockputz, mit Blumen reich verzieret,Schönpflästerchen auf den geschminkte» Wangen,Mit Schnabelschuhn, mit Stickerein behangen,Mit Turmfrisur und wespengleich geschnürct:
So war die Aftermuse ausstaffieret,
Als sie einst kam, dich liebend zu umfangen.Du bist ihr aber aus dem Weg gegangen,Und irrtest fort, von dunklem Trieb geführet.
Da fandest du ein Schloß in alter Wildnis,Und drinnen lag, wie'n holdes Marmorbildnis,Die schönste Maid in Zauberschlaf versunken.
Doch wich der Zauber bald bei deinem Gruße,Aufwachte lächelnd Deutschlands echte Muse,Und sank in deine Arme liebestrunkcn.
3.
Zufrieden nicht mit deinem Eigeutnme,
Sollt' noch des Rheines Niblungshort dich laben,Nahmst du vom Themsestrand die Wundergnben,Und pflücktest kühn des Tajo-Ufers Blume.