Buch der Lieder.
Da staunt mich an gar seltsamlich,So lieb, so weh und inniglich,
Und sprach zu nur die schöne Maid:„O, gieb mir deine Seligkeit!"
„Mein Leben süß, mein junges Blut,Gab' ich mit Freud' und wohlgemutFür dich, o Mädchen, engelgleich, —
Doch nimmermehr das Himmelreich."
Wohl braust hervor mein rasches Wort,Doch blühet schöner immerfort,
Und immer spricht die schöne Maid'
„O, gieb mir deine Seligkeit!"
Dumpf dröhnt dies Wort mir inS Gehör,Und schlendert mir ein GlutenmeerWohl in der Seele tiefsten Raum,
Ich atme schwer, ich atme kaum. —
DaS waren weiße Engelein,
Umglänzt von goldnem Glorienschein;Nun aber stürmte wild heraufEin gräulich schwarzer Koboldhauf.
Die rangen mit den Engelein,Und drängten fort die Engelein;
Und endlich auch die schwarze ScharIn Nebeldust zerronnen war. —
Ich aber wollt' in Lust vergchn,
Ich hielt im Arm mein Liebchen schön;Sie schmiegt sich an mich wie ein Reh,
Doch weint sie auch mit bitterm Weh.
Feins Liebchen weint; ich weiß warum,Und küss' ihr Roscnmündlcin stumm —„O still', feins Lieb, die Thränenflut,
Ergieb dich meiner Liebcsglnt!
„Ergieb dich meiner Liebesglut —"Da plötzlich starrt zu Eis mein Blut;
Laut bebet auf der Erde Grund,
Und öffnet gähnend sich ein Schlund.
Und nuS dem schwarzen Schlünde steigtDie schwarze Schar; — feins Lieb erbleicht!Aus meinen Armen schwand feins Lieb:Ich ganz allcine stehen blieb.