Buch der Lieder.
Inmitten in dem BlnmenlandEin klarer Marmorbrnnnen stand;
Da schant' ich eine schone Maid,
Die emsig wnsch ein weißes Kleid.
Die Wänglein süß, die Äuglein mild,Ein blondgelocktes Heil'genbild;lind wie ich schau', die Maid ich fandSo fremd und doch so wohlbekannt.
Die schöne Maid, die sputet sich,Sie summt ein Lied gar wunderlich:
„Rinne, rinne Wässerlein,
Wasche mir das Linnen rein!"
Ich ging und nahete mich ihr,Und flüsterte: O sage mir,
Dn wunderschöne, süße Maid,
Für wen ist dieses weiße Kleid?
Da sprach sie schnell: „Sei bald bereit,Ich wasche dir dein Totenkleid!"
Und als sie dies gesprochen kaum,
Zerfloß das ganze Bild wie Schaum. —
Und fvrtgezaubert stand ich baldIn einem düstern, wilden Wald.
Die Bäume ragten himmelan;
Ich stand erstaunt und sann und sann.
Und horch! welch dumpfer Wiederholt!Wie ferner Äxtcnschläge Schall;
Ich eil' durch Busch und Wildnis fort,Und komm' an einen freien Ort.
Inmitten in dem grünen Raum,
Da stand ein großer Eichenbaum;
Und sieh! mein Mägdlein wundersamHaut mit dein Beil den Eichenstamm.
Und Schlag ans Schlag, und sonder Weil',Summt sie ein Lied und schwingt das Beil:„Eisen blink, Eisen blank,
Zimmre hurtig Eichenschrank!"
Ich ging und nahete mich ihr,Und flüsterte: O sage mir,
Du wnndersüßes Mägdelein,
Wen: zimmerst du den Eichenschrcin?