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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
153
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Biographie. 153

das schmerzhafte Stöhnen ihres Bruders sie auS dem Schlummerweckte, eilte sie an sein Lager, um ihm Linderung und Trost zu be-reiten. Die Erkrankung eines ihrer Kinder zwang sie Ende Dezembernach Hamburg zurückzukehren. Beim Abschied, der herzzerreißendwar, machte er ihr die Mitteilung, er habe in seinem Testamenteangeordnet, daß ihr Sohn Ludwig die Verfügung über seine Schriftenund Papiere haben sollte. Mündlich gab er betreffs derselben aus-führliche Dispositionen, und wünschte, daß sein Neffe nach Pariskommen möge, um manches Wichtige mit ihm zu besprechen; dochkonnte sein Wunsch nicht mehr erfüllt werden, da sein Hinscheidenunerwartet einige Wochen darauf erfolgte.

Nächst den Angehörigen war es seine Mathilde, deren Daseinden einzigen Lichtpunkt in seinem entsetzlichen Leiden bildete.Erhat mir mehrmals die Versicherung gegeben," so erzählt Frau Jan-bert,daß er durch ihre helle frische Stimme oft ins Leben zurück-gerufen worden sei, in Augenblicken, als seine Seele zu jenen un-bekannten Bezirken sich aufschwingen wollte. Wenn die hohe helleStimme seiner Frau aus dein Nebenzimmer in die Krankenstubehinübcrklang, hielt Heine im Gespräch inne und lauschte ans; einfreundliches Lächeln ging über sein Gesicht und er horchte, bis wiederStille eintrat."

In solchen Momenten entstanden jene herrlichen und schaurigenLieder an Mathilde, an die Mouche und jeneletzten Gedichte undGedanken", die aus dem Nachlasse des Dichters erst zwanzig Jährespäter erschienen und die das Bild des Dichters in merkwürdigerWeise ergänzen. In einzelnen wird die Poesie des Nomaneerv nochübertrvffcn; sie üben einen gespenstischen Zauber ans, während andere,wie das größere GedichtBimini", den lieblichsten Klängen seinererotischen Poesie sich anreihen.

Auch an seinenMemoiren", die er schon in jungen Jahrenbegonnen, dann später verbrannt und zuletzt wieder von neuem auf-zuzeichnen angefangen hatte, arbeitete Heine bis in seine letztenLebenslage. Aber nur ein Fragment dieser Memoiren, eine Schilderungseiner Jugendzeit, hat bis jetzt, nach langen Kämpfen zwischen denFamilienmitgliedern und einer erbitterten Zeitungsfehdc, das Lichtder Welt erblickt. Wenn man die Erinnerungen des Dichters ausseiner Knabenzcit in denNeisebildcrn" mit diesem Fragment ver-gleicht, jene fnrbcnfrische, leichtbeschwingte, humorgewürzte Darstellungmit diesen verblaßten Aufzeichnungen des gealterten Dichters zu-sammenstellt, so wird man einen großen nicht zu verkennenden Ab-stand wahrnehmen und zugleich das Blaß der Enttäuschung begreifen,das dieselben hervorrufen muhten. DaS Fragment der Memoirenenthält ein Stück der Erziehungsgeschichte Heines, etwa ans denJahren 18VK181l> und macht ganz den Eindruck einer alten Photo-