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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
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151
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Biographie. 151

dauer nach dein Tode, wird uns alsdann mit in den Kanf gegeben,wie der schöne Markknochen, den der Fleischer, wenn er mit seinenKunden zufrieden ist, ihnen unentgeltlich in den Korb schiebt." Klarerals es in diesem Nachwort und in den bald darauffolgendenGe-ständnissen" geschieht, kann die Umkehr des Dichters nicht geschildertwerden. In den Tagen seiner Krankheit suchte er nach einem Heil-mittel, um sich vor seinen eigenen Schmerzen zu retten und fanddie Bibel. Mit wehmütigem Lächeln kehrte er zu den Erinnerungenseiner Jugend zurück und zu jenem Deismus, der das Grundprinzipdes biblischen Judentums ist. Die Trostsprüche der Psalmen, dienaiv erhabenen GlaubenSwvrte des Pcntatcuch zogen ihn mächtig anund stillten seine Seele mit erhabenen Gedanken.

Wie in der Bibel aber neben den Psalmen und Gebeten auchdas Grundbuch deS Pessimismus, das Buch Hiob, enthalten ist, soblieb auch der Grnndzug von Heines Weltansicht neben einer gcfcstcteureligiösen Überzeugung ein entschiedener Pessimismus, der in allenLiedern desRomancero" wie in allen Schöpfungen Heines in derdritten Periode seines Schaffens nach einer geistvollen Einteilung:der elegisch cyuischcn wiederkehrt. Alle Gegensätze in diesem merk-würdigen Naturell: kindlicher Glaube, wilder Unglaube, ruhevolleLiebe, rastloser Haß, glühende Begeisterung, frostige Empfindungs-losigkeit, ideale Höhe der Anschauung und gemeine Trivialität desWitzes, naive Gvttfrendigkeit und starrer Pessimismus vereinigen sichnoch einmal zu einem Bilde voll geheimnisvoll tiefer Schönheit. Esist, nach einem schönen Worte von Berlioz, als stände der Dichteram Fenster seines Grabes, um diese Welt, an der er keinen Teilmehr hat, noch zu beschauen und zu bespotten.

In solchen Momenten, Ivo der Schmerz des langwierigen Marter-bettes seine grausamen Rechte geltend machte, überwog wiederumjene pessimistische Weltansicht, der der Dichter in dämonischen Bildern,in grauenhaften Gedichten, in unheimlichen Visionen, in entsetzlichschönen Phantasien schaurigen Ausdruck gab.Es ist eine Klage,wie aus einem Grabe," sagte er selbst über dieseLetzten Gedichte",da schreit ein Lebendigbegrabencr durch die Nacht oder gar eineLeiche, oder gar das Grab selbst. Ja, solche Tone hat die deutscheLyrik noch nie vernommen und hat sie auch nicht vernehmen können,weil noch kein Dichter in solch einer Lage war." Die heroische Gewaltdes Geistes über den gebrochenen Leib zwingt uns Staunen undBewunderung ab und das Bild des ans der vielberufenen Matratzcn-gruft langsam hinsterbenden Dichters ist treu in der Erinnerung desdeutschen Volkes geblieben.

Zahlreiche Freunde, welche in den letzten Lebensjahren Heineaufsuchten, brachten dieses Bild nach der Heimat. Auch seine Ge-schwister, Gustav und Max Heine, sowie Charlotte von Embdcn, sah