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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
141
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Biographie. 141

Der Zusammenhang aller dieser Ereignisse, Zufälle und Stimnmngcn macht cS begreiflich, daß Heines poetische Schaffenskraft all-mählich erlahmte. Er selbst hatte nicht viel Vertrauen mehr zu seinerPoesie.Mein Lebensalter ist den Versen nicht mehr günstig undverlangt Prosa." Die Prosa des vierten Salon-Bandes konnte aller-dings die höchsten Erwartungen befriedigen. DerRabbi vonBacharach" ist freilich nur ein Fragment, noch dazu ein zum Teilans der Jugendzeit des Dichters stammendes, aber er bleibt doch die. reifste und bedeutendste Prosaschöpfung des Dichters, ein Kabinetts-sliick der Erzählnngskunst, ein schöner Torso, der das lebhafteste Be-danern darüber erweckt, daß es dem Künstler nicht vergönnt war,diesen Bau zu vollenden. Dasselbe kann man von denFlvren-ti nischen Nächten" sagen. Sie sind ein glänzendes Zeugnis dafür,daß die Flamme seines Genius noch nicht erloschen war, so lautund freudig seine Gegner dies auch verkündeten. Aber das; die An-I griffe dieser Gegner viel dazu beitrugen, jedes Ausleuchten diesert Flamme zu ersticken, ist leicht erklärlich. So redete und schrieb sichI schließlich Heine immer mehr in eine Bitterkeit hinein, die ihn rings-umher nur eine Welt von Feinden sehen ließ. Als der schlimmstedieser Feinde erschien ihm aber Ludwig Börne.

Heine war mit Börne schon von Frankfurt ans befreundet undes schien, als sie beide in Paris zusammentrafen, daß sich ein herzlichesVerhältnis zwischen ihnen entwickeln würde. Dem war jedoch nicht so.

Durch eifrige Zwischenträger wurden die Mißhelligkciten fort-dauernd genährt und erweiterten sich schließlich zu einer kraftigenFeindschaft. Börne beschuldigte Heine der Apvstnsie, der Charakter-losigkeit; er erklärte öffentlich, es sei Heine ganz einerlei, ob erschreibe: die Republik ist die beste StaatSform oder die Monarchie.1 Er werde immer nur dasjenige Wort wählen, welches in dem Saueeinen besseren Tonfall mache. Der ganze Ingrimm, der sich in Heinealimählich gesammelt hatte, kam zum Ausbruch, als Börne imFebruar 1837 gestorben war. Er schrieb sein Buch über Börne undantwortete da erst auf dessen Angriffe mit einem Totengericht, dasden tiefen Gegensatz zwischen den beiden Naturen klarlegte. DieWirkung, die sich Heine aber von diesem Buche versprochen, bliebaus. Hätte Heine dasselbe bei Lebzeiten Börnes geschrieben, sowäre sein Buch noch zu rechtfertigen gewesen, so aber blieb es nurein Denkmal seines persönlichen Hasses gegen Börne.

In späteren Jahren bereute er die Veröffentlichung dieser Schriftund wünschte oft, sie nicht geschrieben zu haben.Du lieber Gott!"sagte er einmal zu einem Freunde,wer Bücher schreibt, schwebtimmer in Gefahr, große Dummheiten zu begehen. Trotz alledem istbesagte? Buch lauge nicht so schlecht, wie man in meinem liebenVaterlande behauptet."