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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
126
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126 Biographie.

Der Erfolg, den diese Aufklärungen über die deutsche Litteratucin allen gebildeten Kreisen von Paris hatten, veranlaßtc Heine schonim nächsten Jahre wiederum eine Reihe von Aufsätzen über die Ge-schichte der Religion und Philosophie in Deutschland für die ,kovuociss üsnx moruisa" zu schreiben, die noch ein ungleich größeres Auf-sehen als jene erste Artikelserie erregten. Zu gleicher Zeit erschienbei Eugene Nendnel eine vollständige französische Übersetzung derReiscbildcr". Die maßgebende französische Kritik beurteilte die neueund originelle Erscheinung in eingehender und vorurteilsloser Weise;daß sie Heineden witzigsten Franzosen seit Voltaire" nannte, warebenso begreiflich wie verzeihlich. Aber man kann wohl sagen, daßder Name des deutschen Dichters seit jenen Veröffentlichungen, dieHeine im Jahre 183Z unter dem Titel ,Os l'^.Ilsmng;ns" heraus-gab, genannt wurde, wenn man die besten der jungen Generationpoetischer Stürmer nannte. DerDichter deS Alandes und derTanne" erregte in den Salons der jungen französischen Littcratnrgerechtes Aufsehen und wurde dort als Poet wie als Philosoph inbegeisterten Dithyramben gefeiert.

Mit einer seltenen Einstimmigkeit haben dagegen fast alle deutschenBeurteiler und Kritiker dieser Schriften Heines über die Geschichteder Religion, der Philosophie und schönen Littcratnr in Deutschlandden Mangel gründlicher Kenntnisse und aller wissenschaftlichen Borbcdingungen hervorgehoben und dem Dichter im günstigsten Fallezugegeben, daß ermit einem wunderbaren Instinkt" da das Richtigetreffe,wo die bloße Gelehrsamkeit fehlgegangen wäre". Indes dürftedies doch nicht so unbedingt zuzugeben sein. Heine hat, so berichtendie glaubwürdigsten Freunde, viel mehr gelesen und studiert, alsseine Kritiker annehmen möchten; namentlich in seinen Studienjahrenwidmete er sich zeitweise mit regem Eifer wissenschaftlichen Forschungenund seine große Begabung, sein rasches Erfassen der schwierigstenMaterien ermöglichte ihm ein ungleich besseres und eindringlicheresVerständnis wissenschaftlicher Grundgedanken, als vielen seiner Studicn-gcnossen. Man kann höchstens mit Berechtigung sagen, daß er keinedieser Disciplinen vollständig beherrschte, trotzdem aber intuitiv überdie bedeutsamsten Fragen philosophischer Erkenntnis schärfer undrichtiger geurteilt hat, als manche grundgelehrte Schulphilosophcn.Die Zunftgclchrsamkeit warf ihm allerdings vor, daß seine Unkenntnisin diesen Fragenebenso auffallend als beleidigend sei, da er mitebenso großer Bvnhomie und Zuversicht sein Urteil iiber das ab-giebt, was er nicht weiß, als über das, was er weiß."

Eine Geschichte der Philosophie zu schreiben, lag freilich nicht inHeines Plan; er wäre dazu wohl auch nicht fähig gewesen. Was erbeabsichtigte, war: den Franzosen, welche keine, oder doch wenigstenskeine genaue Kenntnis von dem philosophischen Entwicklungsgang des