Druckschrift 
1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

IM Biographie.

Kavalier", in ernster und kraftiger Weise. Heine aber, der noch vieltiefer als Jmmcrmann verletzt war, führte im dritten Teil seinerNciscbilder" einen förmlichen Vcrnichtnngskampf gegen Platen.

Und Heine blieb in diesem Kampfe Sieger. Allerdings hatte erdiesen Sieg teuer erkauft, um den Preis des Verlustes seiner eigenenlitterarischcn Würde, denn sein Angriff ging weit über das Maß derberechtigten Rotwehr hinaus. Den meisten Anstoß erregte mit Rechtdie Beschuldigung eines geheimen Lasters, ans welches allerdingsschon vorher einzelne Kritiker der Platcnschen Gedichte angespielthatten, das aber Heine mit einem in der deutschen Litteratnr bisherunerhörten Behagen behandelte. Er rief dadurch bei allen gerechtenBeurteiler» allgemeine Entrüstung hervor. Auch sonst wohl warenin dem Angriff Heines verschiedene unwahre und unberechtigte Be-hauptungen enthalten, vor allem die, daß der Graf Platen einePension aus der Privatkasse des Königs Ludwig beziehe, wahrenddieser sich ausdrücklich geweigert hatte, von denSteuern des bayrischenVolkes" eine Unterstützung anzunehmen, und nur von der MiinchcncrAkademie der Wissenschaften ein Jahrgehalt von 4l)l) Gulden annahm.

Heines Angriff schoß deshalb erheblich über das Ziel hinaus,weil er von persönlichein Haß und tiefer Bitterkeit erfüllt war, und ererreichte deshalb auch nur einen Teil der beabsichtigten Wirkung.

Er selbst fühlte es nur zu klar heraus, daß er sich durch diesePolemik unsäglich geschadet und das bessere Publikum tief verletzt habe.

Ob es wahr ist, daß Graf Platen die Hilfe der Gerichte in An-spruch nehmen wollte, ja, daß sogar sein Freund, Graf Fugger,bereits eine Jnjurienklage bei dem Stadtgericht in Berlin eingereicht,steht dahin. Indes scheint dieses kaum glaublich; Platen ignoriertein seiner vornehmen Weise die ganze Angelegenheit und verlangteweder Satisfaktion noch das Einschreiten der Gerichte, ja, er wolltenicht einmal dulden, daß einer seiner Freunde für ihn das Wort ergreife.

Mit dem Erscheinen des dritten Bandes derReisebilder" trateine verhängnisvolle Wendung in Heines Leben ein; hatte man ihnbis dahin geehrt, ja sogar geliebt, so wurde er von nun an gefürchtetund in vielen Kreisen gehaßt. Zunächst hatte er freilich die Lacherauf seiner Seite und man hütete sich, einem so scharfen und witzigenSchriftsteller mit offenem Visier entgegenzutreten. Desto mehr aberregnete es anonyme Angriffe von allen Seiten und die Freunde desDichters, mit Ausnahme Varnhagens, hielten sich in scheuer Zurück-gezogenheit. Ja, einen der aufrichtigsten, vielleicht sogar den bestenFreund verlor Heine durch diese Polemik gegen Platen. Es wardies Moses Moser, sein treuer Mnrgnis Posa, der sich so entschiedenund scharf gegen die Art und Weise dieser Polemik aussprach, daßHeine in seinerverletzten Poeteneitelkeit" sich veranlaßt sah, demalten treuen Moser die Freundschaft in ziemlich brüsker Form auf-