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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
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81
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Biographie. 81

witterte Heine wie es scheint, mit Unrecht gleichfalls seinenFeind; eS ist daher erklärlich, daß er mit nicht geringer Angst andas Examen herantrat, das am 3. Mai stattfand. Heine erlangteden dritten Grad. Sehr interessant sind die Prvmvtivnsthesen, dieer in der Disputation am 20. Juli verteidigte:

1. Der Ehemann ist Herr der Mitgift.

2. Der Gläubiger muß eine Quittung ausstellen.

3. Alle Rechtsvcrhandlungen sind öffentlich zu führen.

4. Ans dem Eid erwächst keine Verpflichtung.

5. Die oonkbrrsatio war bei den Römern die älteste Art einerrechtlichen Ehcverbinduug.

Die Disputation ging ziemlich glücklich von statten, und ProfessorHugo, der Heine auch nichtdie kleinste scholastische Formalität" er-lassen hatte, verglich sogar in seiner Rede bei Übergabe des Dvktor-diploms Heine mit Goethe, der ja auch Dichter und Jurist zugleichgewesen sei.

Vor seiner Abreise aus der alten Universitätsstadt erledigteHeine aber noch eine Angelegenheit, die für sein ganzes zukünftigesLeben von größter Tragweite werden sollte, wenn sie auch zunächstnicht die Bedeutung gewann, die sich Heine davon versprochen habenmag er suchte sich durch den Tanfzcttel dasEntreebillct zureuropäischen Kultur" zu verschaffen!

Welche äußere Anregungen in dieser Beziehung damals ans ihneingewirkt haben mochten, ist nicht bekannt; gewiß ist nur, daß erdurch die Taufe eine Anstellung im preußischen Staatsdienste zu er-langen hoffte, und daß in seiner ganzen Familie keiner gegen dieTaufe war, als er selbst. Schon ein Jahr vorher wurde im elter-lichen Hanse die Notwendigkeit dieses Aktes erwogen, und Heineschrieb damals an Moser:Aus meiner Denkungsart kannst Dues Dir wohl abstrahieren, daß mir die Taufe ein gleichgültiger Aktist, daß ich ihn auch symbolisch nicht wichtig achte, und daß ich michder Verfechtung der Rechte meiner unglücklichen Stammesgcuossenmehr weihen würde. Aber dennoch halte ich es unter meiner Würdeund meine Ehre befleckend, wenn ich, um ein Amt in Preußen an-zunehmen, mich taufen ließe . . . Wir leben in einer traurigen Zeit,Schurken werden zu den Besten, und die Besten müssen Schurkenwerden. Ich verstehe sehr gnt die Worte des Psalmistcn: .Herr Gott,gieb mir mein täglich Brot, daß ich deinen Namen nicht lästrcll"

Trotz dieser und ähnlicher Klagen sah sich Heine nun dennochzum Übertritt genötigt. Gerade in der Zeit, in welcher ihm durchseinenRabbi von Bacherach" und die daran sich knüpfenden Studiendas Judentum besonders nah und teuer war, ließ er sich in demkleinen preußischen Städtchen Heiligenstndt bei Güttingen in diechristliche Gemeinschaft aufnehmen.

Hei ac's Werke. I. Bd. (Biographie.) 6