78 Biographie.
schließt mit den guten Engeln eine Wette über Faust. Die gutenEngel liebt Mephistophelcs sehr, und diese Liebe, besonders zum!Engel Gabriel, denkt Heine so zu schildern, daß sie ein Mitteldingtzwischen der Liebe guter Freunde und der Liebe der Geschlechter lwird, die bei den Engeln nicht sind. Diese Thecgcsellschaftcn sollensich durch das ganze Stuck ziehen. — Über das Ende ist sich Heinenoch nicht gewiß. Vielleicht will er den Professor durch Mephistophcles,der sich zum Schinder gemacht hat, hangen lassen; vielleicht will ergar kein Ende machen, weil er dadurch den Vorteil erhält, manchesin das Stück hineinbringen zu können, waS eigentlich nicht hinein-!gehört. — Mir däucht, dieser Faust kann sehr viel werden; nur»fürchte ich, und Heine ebenfalls, daß durch die Theegesellschaften zuwenig Handlung hineinkommt."
Bekanntlich hat Heine viele Jahre später die Faustsage, aber ineiner von diesen Entwürfen ganz abweichenden Form, bearbeitet.
Bei solchen Plänen und Ideen konnten die damaligen Studenten-Händel nur wenig Interesse für Heine haben; trotzdem wurde ervielfach in dieselben hineingezogen. „Bei den meisten Duellen hier",schreibt er aus Nöttingen, „bin ich Sekundant oder Zeuge, oder II»-!parteiischer, oder wenigstens Zuschauer. Es macht mir Spaß, weil!ich nichts Besseres habe. Und im Grunde ist es auch besser, als das!seichte Gewäsche der jungen und alten Dementen unserer Georgia!Augusta. Ich weiche dem Volk überall ans."
Nichtsdestoweniger wurde Heine auch schon durch seine äußere jErscheinung in dem kleinen Universitätsstädtchen eine bekannte!Persönlichkeit. Und obwohl er in seinem Fachstudium nicht gerade her-!vorragend war, interessierten sich doch auch die meisten Professoren für!ihn. Mit der Jurisprudenz wollte es seltsamerweise nicht recht gehen,!so sehr er sich der Hoffnung hingab, mit Hilfe Meisters die Pandekten !„loszukriegen" und so eifrig er sich mit dem ganzen Wust trockener sGelehrsamkeit wie ein Verzweifelter abquälte.
Das Talent zur Jurisprudenz, darin mochte er recht haben,!fehl te ihm jedenfalls. So kam es, daß er sich stets wieder von seinen jmit Eifer begonnenen Studien ablenken ließ. Ein sonniger Tag, >ein poetischer Gedanke, eine duftende Blume oder auch ein schönes!Mädchen — und daS Forum, die Pandekten, alle römischen unddeutschen Gesetze und Prozesse waren in den Wind verwehk.
Dazwischen kamen auch wieder littcrarische Anregungen undpoetische Arbeiten. Auch mit I. B. Rousseau, der ihm von seine»Jugendfreunden eigentlich am nächsten stand, war er wieder in Bcr-!biudung getreten, in eine Verbindung, von welcher Heine nur wenigNutzen hatte. Schon im Jahre 1823 hatte er dem „WesttentschenMusenalmanach" mehrere sehr wertvolle Beiträge zugewendet. Dcczweite Band dieses AlinanachS, der im Jahre 1824 in Hamm erschien,