Biographie. 57
und seiner Zweigabteilnng des „ wissenschaftlichen Instituts" regel-mäßig bei, führte zum Teil die Protokolle und verlas am 7. und17. November einen eingehenden und „ungemein anziehenden" Be-
- richt über einen zu begründenden Frnnenverein, dessen Tendenz darinI bestehen sollte, die Zwecke des Kulturvereins in Familie und Gesell-
- schaft zu fördern. Ein Rundschreiben über diesen Plan, welches erauszuarbeiten übernommen, blieb, wie der Plan selbst, unausgeführt;dagegen unterrichtete Heine wöchentlich dreimal in der Unterrichts-anstnlt des Vereins mehrere Monate hindurch in der Geschichte und
ß Litteratnr. Auch an den Beratungen über die Abfassung einess Religionsbuches für die jüdische Jugend nahm er eifrig teil und auchsonst machte er für den Verein sowohl in Hamburg, wie in seinerß rheinischen Heimat begeisterte Propaganda. Für die Zeitschrift wollteer wiederholt einen Beitrag liefern, aber die Zeitschrift war inzwischenbereits eingegangen und der Verein der Auflösung nahe! Eine all-h gemeine Fahnenflucht war die Folge und Eduard Gans war einerr der ersten, der die gemeinsame Sache im Stich ließ.
Heine dagegen hielt das Judentum damals noch nicht für „einelängst verlorene Sache" wie später. Den Gott des Judentums hattenl. ihm Hegel und seine Schüler allerdings wegphilosophiert; von demH Lehrinhalt der jüdischen Religion hatte er kaum eine genaue Kennt-. nis, aber das historische Stammesbewußtsein lebte mächtig in seinemn Herzen, das damals für die höchsten Güter der Menschheit noch bc-geistert schlug.
Darum kehrte sich die Antipathie Heines auch gegen diejenigen,welche das Judentum vollständig reformieren wollten, und am meistengegen die Fahnenflüchtigen und Abtrünnigen. Die Reform hatte demA Judentum im ganzen wenig Heil gebracht; weil ihnen das HauS^ gefährdet schien, trugen sie das Dach ab — ihre ganze Reform be-st schränkte sich im wesentlichen auf eine Änderung des Gottesdienstes,aus welchem sie die hebräische Sprache verbannten, und dem sie durchj seichte Predigten und Lieder, durch modernen Chorgesang und Orgcl-klang fast einen protestantischen Zuschnitt gaben. Gegen diese ReformerN eifert nun Heine in seinen Briefen aus jener Zeit mit merkwürdigerW Begeisterung.
Er hatte sich den Berjüngnngsprozeß des Judentums wohl anders; gedacht, als jene Flachköpfe, die ihn, weil ihnen seine geistige KraftM gefährlich wurde, zu verlästern suchten. Das Evangelium, das denArmen von Judän vergeblich gepredigt worden, sei jetzt bei denH Reichen in Flor, beklagt er einmal, und seinem Hasse gegen den,Z Abfall und Verrat unter seinen Glaubensgenossen giebt Heine denH beredtesten Ausdruck in seiner Tragödie „Almansvr".» Im April des Jahres 1823 erschien dieses Drama, das HeineH bereits in Bonn und Nöttingen angefangen und im Herbst 1821 in