38 Biographie.
Bon allen Lehrern hatte August Wilhelm von Schlegel dengrößten Einfluß auf Heine. Schlegel stand damals noch an derSpitze der nachgoetheschen Litteratur; er war als geistvoller Kennerder deutschen wie der spanischen und englischen Litteratur ebenso ge-feiert wie als Dichter und Kritiker. Das lebhafteste Interesse brachteer der poetischen Produktion Heines entgegen; er regte ihn an, einzelneScenen des ersten Aktes von Byrons „Manfred" zu übersetze» undsprach sich über diese Übersetzung, wie über die lyrischen GedichteHeines, in sehr schmeichelhafter Weise aus, wie dieser selbst in einemBrief an einen Jugendfreund und Studiengenvssen, Fritz von Beughem,berichtet. Der vornehme, zierliche, elegante Professor machte auchäußerlich auf Heine den größten Eindruck.
Der junge Student stand damals ganz unter dem Einflüsse jenerRomantik, deren begabtester und bedeutendster Vertreter A. W. vonSchlegel war. Von besonderem Interesse ist in dieser Hinsicht seinerster uns bekannter Aufsatz in Prosa, den er im Sommer desselbenJahres für daS „Kunst- und Unterhaltnngsblatt" als Erwiderungauf eine Satire schrieb, die W. von Blomberg gegen Romantik undromantische Form gerichtet hatte. In demselben (siehe „VermischteSchriften") spricht er seine Ansichten und seine Auffassung der Ro-mantik klar und überzeugend aus; sie sind überaus wichtig für dasVerständnis seiner poetischen Entwicklung.
Ja man darf wohl sagen, daß in diesen Sätzen das ganze Pro-gramm für Heines zukünftiges Schaffen lag. Merkwürdig ist diekritische Bestimmtheit, die Klarheit und Schärfe des Ausdrucks undnicht zum mindesten der Stil jenes Aufsatzes. Bedenkt man, daßzwischen der ersten prosaischen LiebeSklage in dein oben mitgeteiltenBrief an Sethe und diesem Aufsatz über das Wesen der Romantikkaum drei Jahre liegen, so wird man die Entwicklung vollauf würdigen,die Heine in dieser Zeit durchgemacht hat.
In der ersten Zeit lag Heine seinen Fachstudien sehr fleißig ob;seine Kollcgicnhefte waren in guter Ordnung und „sein Lebcnsplannoch immer auf eine Bernunftheirat mit der Jurisprudenz gerichtet".Von seinen Freunden in Bonn sind insbesondere Carl Simrock,Diefsenbach, Johann Baptist Rousseau, Friedrich von Beughem,Friedrich Steinmann, Josef Neunzig und vor allem Christinn Sethezu nennen. Mit Simrock wurde Heine dadurch bekannt, daß er inder Vorlesung über Pandekten öfter ein Kvllcgicnhcft von ihm lieh;beide befreundeten sich später dadurch, daß ihnen poetische und litte-rarische Neigungen mehr am Herzen lagen als juristische. Rousseau,der nur um einige Jahre jünger war als Heine, war schon ans demGymnasium mit ihm befreundet. Er hing an ihm mit großer Ver-ehrung und verherrlichte ihn damals in Bonn in den stümper-haftesten Sonetten. Von dein Einfluß dieses immerhin interessanten