oder Vertheidigung des Groteske,Komischen. 109
Wahl der Kleidung eine gewisse Einheit, weil alle Lar-ven komisch waren. Man vermied dadurch einen ent-behrlichen Vertrauten, welchem die Prinzessinn oft nurweiter nichts als ihren Namen zu sagen hat; um sichden Zuschauern bekannt zu machen. Der Charaktereines jeden Schauspielers zeigte sich gleich in seinerMaske *). Meine C 0 l 0 mbiue aber, welche gern ihrschönes Gesicht zeigen wollte, verließ zuerst diese löblicheGewohnheit; der D ottor e glaubte auch in seiner lan-gen Perücke, wie ein Minister mit dem Fernglasc, kenu-bar genug zu seyn, und der C a p itan 0 berief sich aufseine stürmende Miene. Nur ich, obschon alle vonmeiner Familie sich durch ein gewisses Weiße im Augevon andern Menschen unterscheiden, die Herren S c a-pin, Mezzetin, Tri velin haben unsre Maskenbehalten, weil wir so nnterschiedne Arten des Lächer-lichen ausbilden, welche dem Zuschauer nur durch Hülfeder Malerei) ausgedrückt werden können. Mir sieht
Jeder
5) Eigentlich gewannen sie dadurch eben das, was manin der Fabel durch die Einführung eines Thiers von be-stimmtem Charakter gewinnt. So bald man den Fuchsoder den Hasen nennt, so bedarf es keiner weiter»Charakterisirung; und so bald man die alten Larven sah,haue man einen völlig intuitiven Begriff von der han-delnden Person. Die Jtaljaner und Franzosen agirenmchrentheils mit stehenden Figuren. Arist, Li set t e,Jsa belle sind stehende Namen, wie Harlekin,Colombine, der Capitano und der Dottore;und so bald sie nur genannt oder gesehen werden, kenntman auch ihren Hauptcharakter. Wir Deutsche hinge-gen erfinden mchrentheils zu jeder Komödie neue Na-men, und verlieren dadurch jenen in der That wichti-gen Vortheil. Die Namen der ganzen heidnischenMythologie geben intuitive Begriffe, und dies ist dieUrsache daß wir sie allezeit behalten werden.