Iustus Mösers. 7
Schriften fanden sich zwey unvollendete eigenhändigeAufsätze, worin er auf ganz verschiedene Art ver,sucht hat sein eigenes Leben zu beschreiben. Dererste Aufsatz besteht nur aus folgenden wenigenWorten:
„Sie wollen ich soll Ihnen mein Leben beschreiben,„und zwar auf eine Are die mir Ehre mache. Allein„Sie haben nicht bedacht, daß ein Mann, von dem„man immer sagt: er sitzt und schreibt, wenig erlebt;„und wenn er sich eidlich verpflichtete, alles was ihm„anvertraut werden würde, mit sich ins Grab zu lieh«„men, noch weniger zu erzählen hat."
Zwar hätte dieser vortrefliche Manu gewiß sehrviel höchst Interessantes von sich erzählen können!Wohl wahr aber ists, daß vieles, was er that, inder Erzählung nicht ganz den Werth haben kann,als in der Wirklichkeit selbst. Er hatte Zeitlebens aufein ganzes Land den wichtigsten und wohlthatigsten Ein-fluß; aber auf ein Land, das klein, und dessen innereVerfassung in Deutschland nur Wenigen bekannt ist.Seine Schriften haben einen ganz originalen Cha-rakter, und erheben den Verfasser zu einem der erstendeutschen prosaischen Schriftsteller; aber wegen derbeständigen Beziehung auf das, was ihm am näch-sten lag, sind sie in Deutschland bey weitem nichtgenug bekannt und gelesen. Er besaß seltene Welt-kenntniß, Menschenkenntniß, und gesellige Tugen,den, die aber nur in einem eingeschränkten Zirkel,obgleich ganz ausgezeichnet, glänzten.
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