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4 (1786) Patriotische Phantasien, Th. 4
Entstehung
Seite
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Von einem Wemhändler- 9

die schlaffe RegierungSform, ein dritter klagte die phi-losophische Erziehringsart an, und ein vierter brachte so-gar die Religion mit ins Spiel, um den eigentlichenGrund z» bestimmen, warum in dem einen Lande mehrKunstgefühl und Geschmack scy, als in dem andern.

Nachdem ich den Gelehrten meiner Meynung nachlange genug zugchöret hatte, so glaubte ich endlich auchmit etwas von meiner Weißheit aufwarten zu dürfenund sagte zu ihnen: Aber um des Himmels willen, wiekönnen Sie sich über eine solche Sache so lange zanken?ich kenne alle Gewächse des Rheingaucs, und will nichtallein alle Arten, sondern auch alle Jahrgänge auf dasgenaueste unterscheiden: das ist aber von ihnen keinerim Stande, und woher rührt dieser Mangel des Ge-schmacks bey ihnen? wahrlich nicht vom Klima und auchnicht von der Religion, sondern weil sie nicht wie ick vonJugend auf in Kellern gewesen sind und nicht alle Artenvon Weinen oft genug versuchet haben.

Anfangs schienen sie zu stutzen, aber bald sagte ei-ner, das wäre etwas ganz anders; ein solches Memo-rienwerk als diese Weinkcnntmß wäre, könne ein jeder ler-nen. Der Geschmack, der dazu gehörte, sey nicht derwahre Kunstgeschmack, der prüfen und glücklich wählenkönnte; es sey ganz etwas anders, eine Menge von Wei-nen zu kennen und zu entscheiden welches der beste scy,man müßte sich ein Ideal machen können ....

Das wäre doch der Henker versetzte ich, und nahmdas Glas was eben vor mir auf dem Tische stand: dieserWein dahier ist ein Markebrunncr von 1759. und wenner das noch hatte und diesen nicht: so wäre es der schön-ste Markebrunncr den ich jemals getrunken habe; ichprüfe, wähle und entscheide hier besser als der Präsidentvon allen gelehrten Akademien in Europa, und will den-

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