Druckschrift 
Geschichte der Stadt Duisburg bis zur endgültigen Vereinigung mit dem Hause Hohenzollern (1666) : mit einem alten Stadtplan
Entstehung
Seite
530
Einzelbild herunterladen
 

H 63. Die Reformation.

(sic hatten das Verbot vermutlich mir auf die Abcudmahlsgcsäugcbezogen). Weil uuu aber solches von der Gemeinde und nicht vondem Rate oder den Prädikanten vorgenommen märe und S. F. Gn.nicht erleiden wolle, daß man Gott mit deutschen Psalmen und Lob-gcsängcn lobe, so wollten sic nach ihrem Vermögen der Gemeindediesen Befehl berichten. Aber ihre nnterthänige Bitte ginge dahin,daß S. F. Gnaden es dulden möchte.

Daß der Fürst diese Bitte gewährt habe, ist nicht wahrschein-lich; aber ebensowenig wahrscheinlich ist, daß der Rat die Gemeindezu bestimmen vermocht hat, von den deutschen Gesängen abzulassen;und Zwang pflegte der Fürst, wenn nicht jemand ihn drängte,nicht anzuwenden. Damals aber war Karl V. bekanntlich nicht inder Lage, einen Druck auszuüben; er hatte im Jahre 1553, vonMoriz von Sachsen überwältigt, den Passnucr Vertrag eingehenmüssen und mußte sich im nächsten Jahre zu dem AugsbnrgcrRcligionsfricden entschließen. Als im Sommer des Jahres 1554zu Dinslaken ein Landtag der clevisch-märkischcn Stände stattfandund die Regierung als ersten Punkt der Verhandlungen ein Ediktaufstellte, wonach man sich bis zur Neuordnung durch ein allgemeinesKonzil nach den Ordnungen des Herzog Johann richten solle, ^) dafaßte der Rat am 39. Juni den Beschluß, seinen Abgeordneten denAuftrag mitzugeben, daß sic um eine Ordnung ersuchen sollten, diegöttlich und billig und zu S. F. Gn. und derselben UnterthnncnSeelenheil und Seligkeit dienlich wäre; zugleich auch bäten sic, eineBeschwerung der Gewissen mit dem, das gegen Gottes Gebot wäre,zu vermeiden, wie das von dem Fürsten wiederholt zugesagt wäre.In diesem Sinne wurden auch zu Dinslaken Anträge gestellt, abernur mündliche Zusagen gegeben, von denen die später veröffentlichtenEdikte nichts enthielten. Darauf wandte man sich am 7. Januarnach Wesel, um zu vernehmen, wie man sich dort dem gegenüber zuverhalten gedächte. Es scheint zwar, daß man die Sache nichtweiter verfolgt hat, aber man erkennt den Geist, von welchem dieVersammlung beseelt war, und dem gab sic nach kurzer Zeit einenso unzweideutigen Ausdruck, daß man sagen möchte: Der Rat warjetzt entschlossen, die evangelische Rcligionsübung durchzuführen.

Am 11. Februar 1555 wurde ans Anregung einiger Rats-Mitglieder mit allen gegen eine Stimme beschlossen, das Salvator-bild zu entfernen und in die Gcrkammcr auf Seite zu bringen und

i) Keller, die Gegenreformation in Westfalen nnd am Niederrhein I S. st.