H 63. Die Reformation.
öffnung solcher Anstalten wurde damals bei Papst und Kaiser nach-gesucht. Ilm die nötigen Einkünfte zu beschaffen, nahm mau dieEinziehung geistlicher Guter in Aussicht: ein Kanonichen-Kapitcl undzwciJuugfranentlöstcr, welche inDörfern gelegen wären und kcincrühm-lichc Zucht bewahrten, die Vikaricn, die keine persönliche Anwesenheit er-forderten, das Besitztum aller Bruderschaften im Lande, dessen Gefällegewöhnlich zu Trinkgelagen vergeudet würden (doch sollte die Zu-stimmung der Genossenschaften gewonnen werden), eine Präbcndeeiner jeden der sechzehn Kollcgiatkirchen sollten eingezogen und derAnstalt einverleibt werden. Diese Anträge wurden zuerst am 27.September 1555 für den herzoglichen Vertreter in Rom AndreasMnsius aufgesetzt; Z die Errichtung der Universität wird also schoneinige Zeit vorher erwogen sein. Von alledem wurde nur wenigerreicht und dies nur nach langwierigen Verhandlungen und allerleiMißgeschicken. Aber am 1. April 1560 hat Masius aus Rom Be-richt erhalten, daß der Papst die neue Universität in Duisburg be-willigt habe; für die Bittschrift seien 50 Kronen erforderlich gewesen;die Ausfertigung der Bulle werde wohl noch 400 Dukaten kosten.Es waren aber nur die Renten der Laienbrndcrschaften zugestanden,falls diese ihre Zustimmung gäben; auf die Einziehung von geistlichenPfründen sollte vollständig verzichtet werden. Diese geringe Aus-stattung erregte freilich Bedenken; aber Masius meinte, der Herzogwerde teils aus eigener Machtvollkommenheit, teils durch nachträglicheGenehmigung die Mittel gewinnen können; und so wurde die Aus-fertigung der Bulle beantragt. Aber kaum war sie im Frühjahr1561 dem Geschäftsträger übergeben und von diesem entsandt, alsdemselben bei Leibcsstrafe befohlen wurde, eiligst nachzureisen und dieBulle wieder einzuliefern, ch Die Kölner und Löwcncr Gelehrtenhatten ans Furcht vor der Konkurrenz einer neuen Universität inder Rachbarschaft in Rom den Argwohn erweckt, die DuisburgerSchule werde ketzerischen und der Ketzerei verdächtigen Lehrern aus-geliefert werden. Begründet wurde dies damit, daß der obengenannteRektor der Düsseldorfer Schule eben damals einen ealvinisch ge-färbten Katechismus herausgegeben hatte und vielleicht anch da-mit, daß der Herzog viele der Ketzerei verdächtige Flüchtlinge ans denNachbarlandcn aufgenommen hatte. Der Herzog hielt es anfangsunter seiner Würde, auf die Angriffe ungenannter Verläumdcr zu ant-worten, wie er im September dem Papst schrieb; zur Besetzungder Lehrstühle habe er noch keine einzige Persönlichkeit ausgesucht;
') Lossen S. 218. Ebenda S. 323. Lossen S. 334. Lac. V 73.