D, Martin Luthers Vorreden zu seinen geist-lichen Liedern.
Erste Vorrede, 1529.
^aß geistliche Lieder singen, gut und Gott angenehm sey, achtich, sey keinem Christen verborgen, dieweil jedermann nicht alleindas Exempel der Propheten und Könige im Alten Testament, die mitSingen und Klingen, mit Dichten und allerley Saitenspiel Gottgelobt haben, sondern auch solcher Brauch, sonderlich mit Psalmen,gemeiner Christenheit von Anfang kund ist, ja auch S. Paulussolches 1. Cor. 14. einsetzet, und Coloss. 3. gebeut, von Hertzendem Herrn singen geistliche Lieder und Psalmen, auf daß dadurchGottes Wort und christliche Lehre aus allerley Weise getrieben undgeübel werden.
Demnach hab ich auch samt etlichen andern zum guten An-fang, und Ursach zu geben denen, die es besser vermögen, etlichegeistliche Lieder zusammenbracht, das heilige Evangelium, so jetztvon Gottes Gnaden wieder aufgangen ist, zu treiben und inSchwang zu bringen, daß wir uns möchten rühmen, wie Moses inseinem Gesang thut, Exod. 15-, daß Christus unser Lob und Ge-sang sey, und nichts wissen sollen zu singen, noch zu sagen, dennJesum, unsern Heyland, wie S. Paulus sagt, 1. Corinth. 2.
Und sind dazu auch in vier Stimmen bracht, nicht aus an-derer Ursach, denn daß ich gern wollt, daß die Jugend, die dochsonst soll und muß in der Mustca und andern rechten Künsten er-zogen werden, etwas hatte, damit sie der Buhllieder und fleischlichenGesauge los würde und an dcrselbigen statt etwas heilsames lernte,und also das Gute mit Lust, wie den Jungen gebühret, einginge.
Auch daß ich nicht der Meynung bin, daß durchs Evangeliumsollten alle Künste zu Boden geschlagen werden und vergehen, wieetliche Abergeistlichen fürgeben: sondern ich wollte alle Künste, son-derlich die Musica, gern sehen, im Dienst des, der sie gegeben undgeschaffen hat.