202 Der zweyte Psalm.
elende Menschen dürfen wohl alles ansahen in der Gemeindeaus eigenem Thurst und Frevel, ohne seinen Befehl und Gebot.Ist das nicht zu erbarmen!
V. 9. „Du sollst sie mit dem eisernen Scepter zuschlagen,wie Töpsse sollst du sie zuschmeissen-"
So will er nun mit diesem Vers nichts anders anzeigen,denn wie die Hoffartigen und Stoltzen gedemüthiget und ernie-driget werden durch Gottes Wort, welches alsdann zuschlagt undzerschmeißt, wenn es schrecket und demüthiget. Also saget St.Paulus an die Römer, Cap. 1, 18: daß durch das EvangeliumGottes Zorn vom Himmel geoffenbaret wird über alles gottlosesWesen und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit inUngerechtigkeit aufhalten. Also lesen wir auch in den Geschichtender Apostel, Cap. 2, 37., wie die Jüden sich nach St. Petri Pre-digt bekehreten und ihr Hertz sich zustach, und sprachen, was sol-len wir thun?
V. 10. „So seyd nun klug, ihr Könige, und laßt euch züch-tigen, ihr Richter im Lande."
Mercke sonderlich auf das Wörtlein: Nun. Als wollte ersagen- Nun, sintemal Christus zum Könige eingesetzt ist überalles, da sind zwcy Dinge, die euch sehr hindern werden, daß ihr,was recht ist, nicht erkennen möget. Erstlich, daß dieser Christus,der von euch gecrcutziget, getödtet und verdammet ist, auch ver-fluchet von Gott nach Mosis Gesetz, 5. Mos. 21, 23. Gal. 3,13., geprediget und ausgeruffen wird ein Herr über alle Herrn.Denn das ist das allerschwereste unter allen Dingen, daß manden soll für einen einigen König predigen und erkennen, der soeines schandlichen, schmählichen Todes gestorben ist; menschlichFühlen strebet hart dawider, der Vernunft eckelt dafür, so ist eswider allen Brauch, auch hat man deß nirgend kein Exempel.Daß also diese Predigt allenthalben denen Heyden eine Thorheit,und denen Jüden ein Aergcrniß ist, 1. Cor. 1, 23., es sey denn,daß ihr über solches alles euer Hertz, Sinn und Vernunft er-hebet.
Zum andern hindert euch, daß dieser König so wunderlichregieret, daß er alles, was ihr im Gesetz gehoffet habt, lehret,daß ihr es verachten, und alles, so ihr gefürchtet habt, lieben sol-let, das Creutz auf euch nehmen und den Tod nicht fürchten sol-let. Auch rath er das, daß beyde, Gutes und Böses, so vor Au-gen ist, zu verachten sey, als der euch will viel in andere und bes-sere Güter setzen, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehöret