Daß man die Kinder zur Schule halten soll. 221
bedarf. Und sonderlich zu unfern Zeiten ists ja leicht, solche Per,sonen zu erziehen, die das Evangelium und den Eatechismum ler-nen mögen? weil jetzt nicht allein die heilige Schrift, sondern auchallerlei) Kunst reichlich am Tage ist, mit so viel Büchern, Lesen,Predigen, (Gott Lob!) daß man in drey Jahren mehr kann lernen,denn vorhin in zwantzigen- daß auch Weiber und Kinder aus denDeutschen Büchern und Predigten jetzt mehr können (ich sage dieWahrheit,) von Gott und Christo, denn vorhin alle hohe Schulen,Stiffte, Klöster, das gantze Pabstthum und alle Welt gekönnt ha-ben. Aber Lateinisch müssen die gemeinen Pfarrherren und Predigerkönnen, und mögen deß nicht entbehren, so wenig als die Gelehrtendes Griechischen und Hebräischen entbehren sollen; wie St. Au-gustinus spricht, und das geistliche Recht selbst setzt.
Ja, sprichst du: Wie, wenn es übel geräth, daß mein Sohnein Ketzer, oder sonst ein Bube wird? Denn die Gelehrten heißtman die Verkehrten :c. Wolan, das mußt du wagen: dein Fleißund Arbeit ist darum nicht verloren. Gott wird dennoch ansehendeinen treuen Dienst, und dafür rechnen, als wäre es gleich wohlangelegt. Mußt du wagen, wie er gerathe in allen andern Sachen,wozu du ihn ziehen willt. Wie gings dem lieben Abraham, demsein Sohn Jsmacl auch nicht gerieth; Jsaac sein Sohn Jsmael auchnicht gerieth; Jsaac sein Sohn Essau auch nicht; Adam sein SohnCain auch nicht? Sollte Abraham darum haben abgelassen, seinenSohn Jsaac, und Jsaac seinen Sohn Jacob, und Adam seinen SohnHabel zu Gottes Dienst zu ziehen? Wie viel sind böser Königeund Leute gewest in dem heiligen auserwählten Volck Israel, diemit Ketzereyen und Abgöttereyen alles Unglück anrichteten, und allePropheten erwürgeten; sollten darum die Priester Levi das gantze Volckhaben lassen fahren, und niemand mehr zum Gottesdienst ziehen? Wieviel waren böser Priester und Leviten unter dem Stamm Levi, den Gottselbst zum Priesteramt erwählet hatte ? Wie viel hat Gott Leute auf Erden,die aller seiner Güter und Creatur mißbrauchten? Sollte er darumseine Güte lassen, und keinen Menschen leben lassen, oder aus-hören wohlzuthun? Auch daß du nicht zu sehr sorgest, wo deinSohn ernähret werde, wenn er sich auf die Lehre gibt, und zu sol-chem göttlichen Amte und Dienst; so hat dich Gott auch nicht hierinngelassen noch vergessen, auf daß du ja nicht sorgen noch klagen sollest.Er hat verheissen durch St. Paulum 1. Cor. 9, 14.: Wer demEvangelio dienet, soll vom Evangelio ernähret werden. Und Chri-stus selbst, Matth. 10, 10.: Ein Arbeiter ist seines Lohnes Werth.Esset und trincket, was sie haben. Im Alten Testament, auf daß