80- Der Glaube an Christum machet allein vor Gott gerecht.
halte. In Summa, wenn er gleich so viel wüßte und vermochte,als die Engel, noch machet solches alles keinen Christen; darumsagt Gott, Jer. 9, 23. 24.: Der Meise rühme sich nicht seinerWeisheit, noch der Starcke seiner Starcke; will sich aber jemandrühmen, der rühme sich, daß er mich (Christum) wisse und kenne,daß ich der Herr bin, der Barmhertzigkeit giebt und reichet.
Anno 1542 sagete D. Martinus Luther von dem Artickel un-serer Rechtfertigung vor Gott, daß et! damit zugienge gleich als miteinem Sohn: der wird ein Erbe aller vaterlichen Güter geboren,und wirds nicht aus Verdienst; er succedirt ohne einiges Werckoder Verdienst in seines Vaters Gütern. Jndeß aber vermahnetihn der Vater, daß er das oder jenes fleissig thue und ausrichte,verheißt ihm auch eine Gabe oder Geschenck, aus daß er derhalbendesto williger dazu sey und desto lieber, leichter und lustiger es aus-richte. Als wenn'er zum Sohn sagt: Wirst du fromm seyn, mirfolgen und gehorsam seyn und fleissig studiren, so will ich dir einenschönen Rock kaufen w. Item: Komm her zu mir, ich will direinen schönen Apfsel geben. Also lehret er den Sohn an denBancken gehen: da ihm doch das Erbe sonst und ohne das natürlichzustehet und gebühret; doch will der Vater durch die Verheissungdas Kind lustig machen, auszurichten, was der Vater haben will.Das Kind sott in der Padagogia erhalten werden. Also gehet Gottmit uns auch um, ist uns freundlich mit lieblichen, süssen Worten,verheißt uns geistliche, ewige, leibliche und zeitliche Güter, da dochdas ewige Leben denen, so an Christum glauben, aus lauter Gnadeund Barmhertzigkeit umsonst, ohne alle unser Verdienst, gute Werckeund Würdigkeit geschenckt wird, als Kurkindern, oder lilüs ackop-tionls, die durch das Wasser und Heiligen Geist dazu kommen.
Und also soll man auch in der Kirche und Gemeinde Gotteslehren, daß Gott haben wolle rechtschaffene gute Wercke, die er be-fohlen und geboten hat, nicht die wir selbst aus eigener Wahl undAndacht, oder guter Meynung vornehmen und thun, wie die Möncheund Pfaffen im Pabstthum gelehret haben; denn dieselben gefallenGott nicht, wie Christus spricht Matth. 5, 9.: Vergebens dienensie mir, weil sie nichts lehren, denn Menschengebot w. So sollman von guten Wercken lehren, doch allwege, daß der Artickel vonder Gerechtfertigung, nemlich, daß allein der Glaube an Christumuns gerecht und selig mache, rein und unverfälscht bleibe, als derdas Hauptstücke, Ursache und Quelle ist aller andern Verheifsungen;wo der rein bleibt und bestehet, so bleibt auch die Kirche rein. Denn