Druckschrift 
[1] (1844)
Entstehung
Seite
10
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quien Christi denkt man erst sehr spat, erst im vierten Jahrhundertsangen sie an zum Vorschein zu kommen, zuerst ganz einzeln, näm-lich daö Kreuz, die einzige in jenem Jahrhundert nachweislicheReliquie, allmählich aber, und auch dies erst nach längerer Zeit,häufiger, wie z. B. von den Nägeln erst das fünfte Jahrhundertweiß. Sobald aber die Sache dahin gediehen ist, sobald ReliquienChristi bekannt werden, sprechen auch sogleich die Schriftsteller da-von als von höchst wichtigen Dingen, wie wir bei Gelegenheit dcSKreuzes unten näher sehen werden.

Mit einem Worte wenigstens müssen wir uns mit Hrn. Marxauch auf dem Felde der psychologischen Phantasten einlassen, auf demer sich so sicher fühlt. Voraussetzungen, wie die seinigen, könnenzu Hunderten mit leichter Mühe gemacht werden, ohne daß eine da-von das Mindeste für die Geschichte bewiese, und seine Hypotheseist dazu, weit entfernt daß sie von dieser Seite die wahrscheinlichstewäre, vielmehr der biblischen Erzählung keineswegs angemessen. Wirwissen, in welche Furcht sogar die nächsten Jünger Christi gcrathcnwaren, wie sie bei seiner Gefangennchmung flohen, wie einer, ergrif-fen, das einzige Hemd, das er anhatte, in den Händen der Schergenließ (Marc. 14, 51), wie sie ihn auf die bloße Anrede nicht etwaeiner Gcrichtsperson, sondern einer Magd verleugneten (Luc. 22, 25.Joh. 23, 15), wie die Weiber nur von fern der Kreuzigung zuzu-sehen (Matth. 27,55), wie selbst ein angesehener Mann nur heim-lich zu Pilatus zu gehen und um den Leichnam zu bitten (Joh 19,38), wie sie auch später noch nur bei verschlossenen Thürcn sich zuversammeln wagten lJoh. 29, 19). Ist hiernach anzunehmen, daßsie sich gleich selbst vorwitzig verrathen, indem sie seine Kleider zu-sammenkaufen? Und was konnte ihnen an den Kleidern liegen, daer ja, wie selbst die Juden wußten, ihnen verheißen, daß sie ihn nach

entreiße» und zu zerstören." Da Polycarp erst 169 gestorben ist, sokann dies wohl nicht im Anfang des zweiten Jahrhunderts geschehensein. Daß Hr. Marx mit der Kirchengeschichte so unbekannt sei, diesnicht zu wissen, läßt sich nicht denken; allerdings aber paßte die Zeitje früher desto mehr, die Blöße der Hypothese zu decken. Daßkatholische Kirchenhistoriker das Verhältnis nicht anders ansehen, alsoben im Tert geschehen ist, zeigt der Umstand, daß man bei ihnendie Voraussetzungen des Hrn. Marr nicht antrifft. Wir verweisenauf Locherer Iii, 349 u. vi, 523:bei Polycarp zeigt sich das ersteBeispiel einfacher Verehrung und Aufbewahrung gottbegeistcrtcrBlutzeugen." Ritter Ii, 1, 155:besonders kommen in diese» Jahr-hunderten (8191073) die Reliquien von Christo zum Vorschein."