ges hervorgenommene Fahne des Propheten, der andere für seinenMantel. Zwei goldene und vier silberne Leuchter umgeben sie, dieHalste derselben und vier aufgehängte silberne Lampen brennen jedeNacht; je zwei großherrliche Kammcrherrn halten an zwei Nächtender Woche vor ihnen Wache; der Sultan besucht die Capelle häusigund pflegt täglich eins der Abendgebete daselbst zu verrichten, selbstaus seinem Sommeraufenthalt kommt er wöchentlich ein oder zweimallediglich zu diesem Zweck in das Serail.
Wie der Trierer Nock in drei, so ist die Burda stets in vierzigUmschläge von kostbaren Seidcnzeugen eingehüllt. Einmal im Jahr,in der Mitte der großen Fasten, am 15. Ramadhan wird sie mit großerFeierlichkeit enthüllt, wobei der Sultan mit seinem ganzen Hof, dieweltlichen und geistlichen Großwürdenträger gegenwärtig sind. Unterandächtigen Gebeten wird das Gewand hervorgenommen. Der Sultan,der der ganzen (Zeremonie stehend beiwohnt, küßt es zuerst, nach ihmnach Rang und Würden die sämmtlichen Anwesenden. Der SilihdarAgha trocknet es nach jedem Kusse mit einem Tuche von Muslin ab,das der Küssende als angerührte Reliquie erhält und bewahrt. Zuletztwird es von dem Mufti gewaschen, indem er die geküßte Ecke leicht inein großes silbernes mit Wasser gefülltes Gefäß taucht, und dies Was-ser wird in eine große Anzahl kleiner mit dem Siegel des Kizlar Aghasiversehener Gläser gefüllt, welche an alle Anwesende, an die Vornehmenund die Damen des Harem vertheilt werden °). Man gebraucht dasheilige Naß, indem man einige Tropfen davon in das Glas Wasserschüttet, mit welchem die Muslimen den Abend jedes Tages desFastenmonats ihre bekanntlich ganz ächten und strengen Fasten brechen.
Noch ein anderer, dem vorigen sehr ähnlicher Mantel des Pro-pheten befindet sich in Constantinopel im Besitz der Nachkommen seinesersten Empfängers. Wie jener den Großen, wird dieser während derletzten Hälfte des Ramadhan dem Volke zur Verehrung ausgestellt, sojedoch, daß nur der Saum sichtbar ist und geküßt wird. Eine unzäh-lige Menge processirt in der tiefsten Andacht zu ihm hin, und daOpferstocke dabei angebracht sind, ist die Ausstellung für den jedes-
s) Ein ähnliches Beispiel im Anhang Nr. ZZ.