Druckschrift 
[1] (1844)
Entstehung
Seite
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hundert später endlich zum Vorschein komme? wie, wenn 1926 jeneVermuthung keinen objectiven Anhalt, sondern nur einen subjektivenTrieb zum Grunde gehabt habe, wie man gerade auf den h. Rock, undauf nichts anderes gefallen sei? Wir konnten einfach antworten, diegleiche Frage trete bei jeder andern Reliquie ein, irgend einen Namenmüsse das Gehcimniß doch gehabt haben. Aber es giebt noch eine an-dere näher zutreffende Auskunft. Es ist nicht ohne Bedeutung, daß dieVita gerade den Rock, den Purpurmantcl.und die Schuhe zusammen-gestellt. Dergleichen Verbindung werden wir noch mehrmals in San-tiago, Corbic, bei Karl dem Großen, in Constantinopel, im Lateranund sonst begegnen. Hier in Trier, wo noch kein sichtliches Objectvorlag, schwankte man in der Auswahl, aber hielt an demselben belieb-ten Kataloge fest. Von jeher war hier das Bewußtsein lebendig, dasdeutsche Rom darzustellen; bei der damaligen Menge der Jcrusalcm-und Romfahrer (war doch ein Trierischcr Bischof selbst unter derZahl)konnte jener Katalog dort nicht unbekannt sein. Aus solchen Elementenaber haben sich schon ungleich detaillirtere und bestimmtere Sagen hervor-gebildet, und nur ein völliger Neuling in solchen Dingen konnte etwadie Bemerkung entgegenstellen, daß die Kunde von dem römischen oderbyzantinischen Rocke eine gleiche Vermuthung in Trier nur hätte verhin-dern, nicht aber hervorrufen können.

Wie wenig aber die angebliche Aufsindung von 1196 mit jenerKiste zu thun hat, darauf kommen wir noch zurück. Das uns wichtigeErgebniß der Vita Agrieii können wir als durch sie selbst gesichert be-trachten : während des ganzen 11. Jahrhunderts gab es nur bei Ein-zelnen eine unsichere und völlig willkürliche, oder wenn man lieber willsehr andächtige, aber durch nichts begründete Vermuthung über den h.Rock. Die Trierische Kirche und ihre Geschichtschreibung hatte sie nochin keiner Weise anerkannt.

Für diese Negation, wenn sie irgendwie noch zweifelhaft sein sollte,für die Behauptung, daß die Gerüchte über jenen Kasten durchaus nichtals Beweis einer Tradition gebraucht werden können, haben wir fernerzwei, wo möglich noch bündigere Zeugnisse.

In den ersten Jahren des zwölften Jahrhunderts lebte in Trierselbst als Abt zu St.Marimin Berengosus,der nicht bloß einige Predigtenüber Martyr- und Reliquicnverehrung, sondern auch ein weitläuftigesBuch über Helenas Kreuzauffindung hinterlassen hat. In diesem feiert