322 Heineporträts.
Viel eher könnte auf französischen Ursprung und aus die affektierte, roenn auchpoetische Manier Ary Scheffers ein Bild hinweisen, welches neuerdings von demVerlagsbuchhändler Herrn Emil Goldschmidt in Berlin aufgefunden wurde unddessen Provenienz ebenfalls noch nicht hat festgestellt werden können. Man weiß,wie Heine über Arg Scheffers Bilder geurteilt hat. Er sagt von ihnen: „SeineGesichter haben meistens jene fatale Couleur, die uns manchmal das eigene Gesichtverleiden könnte, wenn wir es überwacht und verdrießlich in jenen kleinen, grünenSpiegeln erblickten, die man in alten Wirtshäusern, wo der Postwagen des Morgensstill hält, zu finden pflegt".
Dem bereits skizzierten Bilde vonJohannot folgt das von Jules Giere (S.304).Es ist sehr seltsam, daß der Name dieses Malers in Heines Briefen niemals erwähntwird, so daß sich auch nicht der leiseste Hinweis dafür findet, daß er diesem Künstlerje gesessen. Das Original befindet sich aber doch im Nachlaß der während des Druckesdieser Arbeit verstorbenen Frau Charlotte Embden in Hamburg. Die Schwester desDichters, sowie sein Neffe Baron Ludwig von Embden erklärten das Bild unbedingtfür das ähnlichste und beste aus jener Zeit. Nur die Augen seien ein wenig zugroß, sonst aber sei es eine getreue Wiedergabe seiner Züge. Es ist auch dasLieblingsbild Mathilden? gewesen. Das Bild ist wiederholt vervielfältigt worden.Ganz unähnlich ist ein Steindruck von Eduard Kaiser in Wien. Dagegen ist dieetwas verbesserte und künstlerisch drapierte Photographie aus dem Kunstverlage vonFr. Bruckmann in München bedeutend schöner. Sie ist allgemein bekannt undein willkommener Wandschmuck geworden.
Seltsamerweise ist das Bild Friedrich Pechts (S. 192), das im Jahre 1849 ent-standen, weniger bekannt geworden. Es unterscheidet sich auch in der That wesentlichvon den früheren Bildern. Indes kann ich dem Urteil Strodtmanns in diesemFall nicht beistimmen, daß die Aehnlichkeit eine tote, verdrießliche und geistlose sei.Allerdings macht das Bild einen etwas philisterhasten und zu gutmütigen Eindruck,aber man darf nicht vergessen, daß Heine damals wirklich „im Zenith seines Fettes"stand und zu behaglicher Fülle neigte. Der Mund ist zu üppig und die Augenzu groß, sonst dürfte an dem Bilde kaum ein wesentlicher Fehler auszusetzen sein,es sei denn, daß man den satirischen Zug in dem Antlitz des Poeten vermissensollte. Ein Kupferstich, der ein oder zwei Jahre später bei Baumgärtner in Leipzigerschienen, ist sicher diesem Bilde nachgezeichnet (S. 208). Er unterscheidet sich nurdadurch, daß es von links aufgenommen, das Gesicht etwas schmaler und derMund kleiner ist. Dadurch entsteht aber eine größere Aehnlichkeit. Vollständigverzeichnet ist ein Steindruckporträt, welches in der von Arnold Rüge heraus-gegebenen Anthologie „Die politischen Lyriker unserer Zeit" (1847) enthalten ist.Schon der große Vollbart macht die Zeichnung Wilhelm Dümmlers unähnlich.