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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
302
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302 Heinrich Laubes Grabrede.

Glück kam die rektifizierende Nachricht wodurch mein Untod gemeldet ward, schnellhinterdrein. Sie wundern sich, daß so viele falsche Nachrichten über mich in Um-lauf, und sagen, daß ich komplett mythisch werde. Ich könnte leicht den Schlüsselzu diesen Mythen geben und Ihnen überhaupt die Quellen anzeigen, worausall die mehr oder minder albernen, aber jedesmal bösgemeinten Notizen übermein Privatleben fließen".

Wiederholt bat Heine noch in späteren Briefen Laube, ihm seinen Nekrolog zuschicken, den er gar zu gern gelesen hätte; wiederholt bat Laube Kolb um Rück-sendung des Manuskripts; vergeblich. Eher erhält man bekanntlich von demsäumigsten Schuldner eine geliehene Summe zurück, als von dem Redakteur einesgroßen Blattes ein nicht abgedrucktes Manuskript!Wo ist der Nekrolog?" Mitdiesen Worten empfing Heine den alten Freund Ende März des darauffolgen-den Jahres in seiner Wohnung zu Paris.In Kolbs Papierkorb!" wardie lakonische Antwort Laubes. Dann erst erfolgte die herzliche Begrüßungbeider Freunde.

Und in diesem Papierkorb ist er wohl untergegangen", so schloß Laube seineErzählung von den Schicksalen des Heine-Nekrologs, als ich ihn in den erstenJanuartagen 1882 zum letzten Male sah.

Es ist ein wunderbares Spiel des Zufalls, daß dieser so lang gesuchte und soschwer vermißte Aufsatz nun doch ans Licht der Sonne gekommen ist. Eineifriger Autographensammler fügte das Manuskript seinen übrigen Schätzen hinzu,und unter ihnen hat es, bis zu seinem eigenen Tode, fast vierzig Jahre lang,gelegen. Und so gelangte es nun, nach manchem Horazischen Neunjahr, zur Ver-öffentlichung.

Ueber den Wert der Arbeit selbst und ihre Bedeutung mögen die Leserurteilen. Aber ich meine, um es kurz zu sagen, daß dieser Aufsatz das Beste,jedenfalls aber das Wahrste ist, was je über Heine geschrieben worden ist; daßer ferner zu dem Besten, jedenfalls aber zu dem Innigstempfundenen gehört, wasLaube je geschrieben hat; daß er schließlich durch die interessanten Mitteilungenaus Heines Leben, durch die feine Charakteristik des Freundes, durch die treff-liche Zusammenfassung aller seiner Fehler und Vorzüge zu einem einzigen Bildenicht geringen biographischen und litterarhistorischen Wert besitzt!

Heinrich Heine.

Leipzig, den 6. August 1846.

Soeben lese ich in hiesiger Zeitung die Nachricht, daß Heinrich Heine im Glocken-thale bei Thun im Kanton Bern an einem wiederholten Schlaganfalle verschieden