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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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234 Ein Besuch bei George Sand.

lang von nichts anderem als von diesem Buche, und niemand erhob auch nurden leisesten Widerspruch gegen jene Behauptung. Mag nun jeder nach seinerEmpfindung entscheiden, ob das noch historische Wissenschaft ist, wenn Treitschkeeinfach erklärt, er glaube nicht der Versicherung Heines, daß er niemalsFranzose geworden sei!

Emundzwanzigstes Kapitel. Ein Besuch bei George Sand.

t^ndem ich daran gehe, einen Besuch bei George Sand zu schildern, den ich-^)selbst nicht abgestattet, muß ich doch zuvor eines Besuches gedenken, den ichvor mehr als zwanzig Iahren bei Heinrich Laube in Wien gemacht habe. Derursächliche Zusammenhang dieser beiden Visiten wird nicht allzuschwer zu erratensein, wenn ich sofort hinzufüge, dasi damals gerade der zweite Band von LaubesErinnerungen" erschienen war und dasi unser Gespräch naturgemäsi sich um dieseErinnerungen drehte. Auf meine Bitte, einige dort nur kurz berührte Punkte,so namentlich das Verhältnis Heines zu den französischen Notabilitäten seiner Zeit,ausführlicher zu schildern, da diese Verhältnisse ebenso interessant als unbekanntseien, holte er aus einem Schubfach ein altes deutsches Zeitungsblatt hervor, daseinen Besuch, den er mit Heine zusammen bei George Sand gemacht, schildert,und das er mit Randglossen verzierte, die ich mir, ebenso wie die wichtigstenMitteilungen aus jenem heute vollständig unbekannten Aufsätze, genau ausgezeichnet habe.

Von diesem Besuch, den Laube in seinenErinnerungen" mit ein paar Zeilenkurz abgefertigt hat, will ich hier ein weiteres erzählen, nachdem nun alle Haup!Personen jener Visite die kühle Erde deckt. Laube war schon dreiviertel Jahrin Frankreich, ehe er sich an diesen Besuch wagte. Und zwar hatte er nach eigenemGeständnis der Sprache wegen so lange gezögert, deren völlige Beherrschung ihmüberaus schwer wurde. Als er Heine einmal sein Leid klagte, bemerkte dieser"Warten Sie, bis Sie von ihrer Reise in die Provinzen zurückgekehrt sind! Hierin Paris spricht man zu viel deutsch, um gut französisch zu lernen; in der Provinzhört man nicht überall das beste Französisch, aber man hört und spricht nurfranzösisch, und vom besten Französisch kann überhaupt erst nach einigen Iahrendie Rede sein das ist wie Wein. Kaum gelesen und gekeltert ist er nur fürden ersten Durst".

Laube liesi sich dies gesagt sein und unternahm in der That zuerst seine Reisein die französischen Provinzen, die er bis Algier ausdehnte. Nach seiner Rückkehrich weisi nicht, ob er inzwischen das Französisch besser beherrscht hat wollteer nun endlich George Sand, die damals auf dem Gipfel ihres litterarischen