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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
209
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Fürst Pückler und Karl Heine. 209

Hamburgs 2. Februar 1846.

Ew. Durchlaucht geehrte Zuschrift vom 28. Januar habe ich heute zu erhalten die Ehre gehabt!meine Handlungsweise gegen den Dichter H. Heine hat derselbe sich selbst zuzuschreiben.

Stets Anhänger seines großen Talents und ihn von Jugend auf verteidigend, können Ew.Durchl aucht denken, daß es mir sehr schwer fällt, sein Betragen durchaus tadeln zu müssen; umso fataler ist es mir, wenn dem Anschein nach nur eine Geldverlegenheit als Motiv dient undder Welt gegenüber zu meinem Nachteil entschieden werden mag.

Ich habe leider bittere Klagen gegen H. Heine zu führen und briefliche Beweise in Händen,die mich nötigen, in meiner Handlungsweise zu beharren. Die Pietät, die ich meinem verstor-benen geliebten Vater schuldig bin, gebietet mir selbst der Bosheit Schranken zu setzen.

Aus meinem eigenen »ich - und nicht ohne Widerstreben bin ich schon hervorgegangen, indemich ihm unter gewissen Voraussetzungen eine Unterstützung zukommen ließ. Er hatte diese ver-scherzt, und ich klage mich selbst der Schwäche an, daß ich meine Hand ihm nicht ganz ent-zogen habe.

Ew. Durchlaucht werden mich entschuldigen, wenn ich nicht weiter auf diese Angelegenheit ein-gehe, und erlaube ich mir schließlich zu bemerken, daß mein Gewissen frei von aller Schuld ist,und wenn ich weitere Erörterungen Ihnen gegenüber vermeide, es nur geschieht, um demCharakter des Dichters nicht in Ihrer guten Meinung zu schaden.

Ich bin gewiß nicht hart, auch wegen des Geldpunktes nicht unversöhnlich; aber es giebt Dinge,die erst durch Reue und gutes Betragen ausgemerzt werden müssen.

Es zeichnet mit der größten Hochachtung

Ew. Durchlaucht ergebenster Diener

Karl Heine."

Auf diese abschlägige Antwort hielt es Pückler für notwendig, noch einmal anden Hamburger Banquier zu schreiben, und in diesein Briefe vom 6. Februar 1846giebt er dem Millionär eine höfliche, aber wohlverdiente Lektion, indem er sagt;

Da sich Ew. Hochwohlgeboren auf Familienverhältnisse beziehen, die mir natürlich ganz fernliegen, da ich nicht einmal die betreffende Person, sondern nur den Dichter Heinrich Heine kenne,auf dessen Genius, ich wiederhole es, meinem Gefühl nach jeder Deutsche stolzzu sein Ursache hat so ist eine weitere Verwendung von meiner Seite bei Ew. Hoch-wohlgeboren unnütz geworden. Bei diesen Umständen bleibt mir nichts übrig, als dem Freundedes Herrn Heine, auf dessen Wunsch ich hauptsächlich an Sie geschrieben, unsere kurze Korre-spondenz niitzuteilen und ihm alles weitere anHeim zu stellen."

Auch diese beiden Briefe sandte Pückler durch Varnhagen an Lassalle; denndieser war ja der erwähnte Freund, und Lassalle wiederum an Heine. Die Ant-wort des Dichters war abermals eine kleine Liebeserklärung, die mit den Wortenschließt;Leben Sie wohl, und seien Sie überzeugt, daß ich Sie unaussprechlichliebe. Wie freut es mich, daß ich mich nicht in Ihnen geirrt; aber auch niemandhabe ich je so viel getraut, ich, der ich so mißtrauisch durch Erfahrung, nicht durchNatur. Seit ich Briefe von Ihnen erhielt, schwillt mir der Mut, und ich befindemich besser". Lassalle hatte inzwischen auch die Intervention Felix Mendelssohn-Bartholdps, der in Hamburg sehr einflußreich war, angerufen, obwohl der Kom-ponist wegen verschiedener Sticheleien und Witze Heine nicht eben besondersgünstig gestimmt war. Von dieser Intervention versprach sich Lassalle das meiste;sein Enthusiasmus täuschte ihn aber gründlich. Und nun griff Heine, nachdem

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