Lohengrin. Der Ring des Nibelungen. 2l)1
niemals nach meinem Geschlecht und meiner Herkunft, denn an dem Tage, rvoIhr mich danach früget, müßte ich von Euch scheiden, und Ihr würdet mich nie-mals wiedersehn!" Und er sagte ihr noch, daß er Helias heiße. Er war vonhoher Gestalt, ganz wie ein Riese. Sie hatten nachmals mehrere Kinder mit-einander. Aber nach Verlauf einiger Jahre, in der Nacht, als Helias nebstseiner Gemahlin im Bette lag, sprach die Prinzessin, ohne der Warnung zugedenken: „Herr, wollt Ihr nicht unfern Kindern sagen, woher Ihr gekommen?"Bei diesen Worten verließ Helias seine Gemahlin, sprang in sein Schwanenschiffund ward nimmermehr gesehen. Die Frau härmte sich ab und starb vor Gramund Reue im selbigen Jahr.
Es scheint jedoch, daß er seinen drei Kindern seine drei Kleinodien, das Schwert,das Horn und den Ring, zurückließ ... u. s. w.
Es ist ferner sehr leicht möglich, daß Wagner bei Heine auch manche Anregungfür seine große Trilogie „Der Ring des Nibelungen" gefunden hat.
Heines begeisterte Aussprüche über das Nibelungenlied sind bekannt. „Jeden-falls aber ist dieses Nibelungenlied von großer gewaltiger Kraft... Und garvon der Sprache, worin es gedichtet ist! Es ist eine Sprache von Stein, und dieVerse sind gleichsam gereimte Quadern. Hie und da aus den Spalten quellenrote Blumen hervor, wie Blutstropfen, oder zieht sich der lange Epheu herunter,wie grüne Thränen." ... Und wiederum finden sich in den nordischen Sagen,welche Heine in seinen „Elementargeistern" (Helge und Sigrun und dieWölundurssagen) erzählt, viele mit der „Götterdämmerung" verwandte Züge,welche einzeln hervorzuheben zu weit führen würde.
Nur kleine Seelen werden, von einseitiger Verehrung für den einen oder denanderen Namen getrieben, an diese Bemerkungen nun die Frage der Dankbarkeitknüpfen und dem Künstler verargen, daß er dem Dichter gegenüber diese Tugendnicht geübt habe. Ich nenne ein solches Verfahren in der poetischen Ethik kleinlich,obwohl ich es im Leben schön und nachahmenswert finde. Kleinlich finde ich es,wenn man die Richtschnur des praktischen auf das geistige Leben anwendet. Es giebtkeine Dankbarkeit im herkömmlichen Sinne des Wortes in der Kunst wie in derKritik. Und wenn Heine zehnmal mehr für Wagner persönlich und durch seinenEinfluß geleistet hätte, als dies thatsächlich der Fall war, so hätte Wagner nicht alleindas Recht, sondern sogar die Pflicht gehabt, in demselben Moment, wo seine Welt-und Kunstanschauung sich von der des Dichters trennte, seinen abweichenden Stand-punkt zu betonen. Daß es bei einer solchen Scheidung nicht ohne Feindseligkeitenabgeht, weiß jeder, der einmal den Prozeß einer litterarischen Trennung und Ent-fremdung durchgemacht oder auch nur aufmerksam verfolgt hat. Jeder kennt dasGedicht „Jungkaterverein für Poesiemusik" im „Romanzero", in dem Heine den