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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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184
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184 Friedrich Hebbel.

Weg, den Shakespeare, Heinrich Kleist und Grabbe gegangen. Einige Tage zuvorsagte mir I)r. Bamberg schon, daß Heine mit größter Anerkennung zu ihm über die»Judith« gesprochen und geäußert habe, ich sei der Bedeutendste von allen!"

Ein Glück, so sagt man sich, daß dieJudith" Heines Beifall gefunden; sonstwäre bei dem Charakter Hebbels ein Bruch unvermeidlich gewesen. Daß aberdas Drama den Beifall Heines errungen, finden wir sehr'begreiflich, und zwarnicht nur wegen der feinen psychologischen Charakteristik, sondern hauptsächlich wegendes, wenn ich so sagen darf, sinnlichen Problems, welches sich Hebbel in seinemDrama gestellt hat. Es ist interessant, daß die Metamorphose der Judithsage,welche der moderne Dichter in seinem Drama vorgenommen, eigentlich vonHeine herrührt. Schon 1831 hat dieser in seinem klassischen Bericht über dasJudithbild von Horace Vernet imSalon" die biblische Heldin folgendermaßengeschildert!Sie hat sich eben vom Lager des Holofernes erhoben, ein blühendschlankes Mädchen. Ein violettes Gewand, um die Hüften hastig geschürzt, gehtbis zu ihren Füßen hinab; oberhalb des Leibes trägt sie ein blaßgelbes Unterkleid,dessen Aermel von der rechten Schulter herunterfällt, und den sie mit der linkenHand, etwas metzgerhaft und doch zugleich bezaubernd zierlich, wieder in die Höhestreift; denn mit der rechten Hand hat sie eben das krumme Schwert gezogen gegenden schlafenden Holofernes. Da steht sie, eine reizende Gestalt, an der eben über-schrittenen Grenze der Jungfräulichkeit, ganz gottrein und doch weltbefleckt, wieeine entweihte Hostie. Ihr Kopf ist wunderbar anmutig und unheimlich liebens-würdig; schwarze Locken wie kurze Schlangen, die nicht herabflattern, sondern sichbäumen, furchtbar graziös. Das Gesicht ist etwas beschattet, und süße Wild-heit, düstere Holdseligkeit und sentimentaler Grimm rieselt durch die edlen Zügeder tödlichen Schönen. Besonders in ihrem Auge funkelt süße Grausamkeit unddie Lüsternheit der Rache; denn sie hat auch den eignen beleidigten Leib zu rächenan dem häßlichen Heiden".

Hier liegen die Keime der Auffassung, welcher Hebbel in seiner Tragödiedramatisches Leben eingehaucht hat. Von einer Beeinflussung kann aber natürlichnicht die Rede sein, obwohl Heine 1831 und Hebbel 1839 geschrieben; aber manbegreift es, wie mächtig der Dichter von dieser dramatischen Gestalt gefesselt werden mußte.

Gleichwohl kommt es doch zu keiner innigeren Annäherung zwischen beiden.Während Heine in Hamburg ist, schreibt Hebbel manches Mal an seine Elise überihn. So z. B.!Ueber Heine erfahrt Ihr wohl nichts? Es ist mir sehr unan-genehm gewesen, daß er gerade jetzt nach Deutschland gegangen ist, nicht seinesUmganges wegen, sondern weil sich andere Folgen daran knüpfen können".

Hebbel war ein ehrlicher Mensch; er hatte ein Unrecht gegen Heine auf derSeele und mußte es sich wenigstens Elise gegenüber heruntersprechen. Er hatte