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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
169
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Ein Brief Immermanns. 169

in eine arge Klemme geraten. Ich denke, er wird sich auf seine Weise zu helfen wissen. Nachseinem Manifest im Littcraturblatte administriert er die Litteratur. In der Administration scheutman aber bekanntlich Widersprüche und Widerrufe nicht. Datz der Mensch glauben kann, mitdem Nachhalle der groben und naseweisen Schlegel-Athenäumsperiode eine nachhaltige Bedeutunggegenwärtig zu gewinnen, gehört zu den vielen sublimen Dummheiten dieses Chamäleons, dasimmer die Farbe dessen annimmt, worüber es gerade gelaufen ist. In den Streckverscn war dasTier über Jean Paul gelaufen, und in „Rübezahl" sitzt ein bitzchen Tieckscher Widerschein.

Ich arbeite an einem Roman mit rechter Lust und hoffe, in diesem Winter eine gute Streckevorwärts zu kommen. Das Theater ekelt mich an. Ich habe zwar etwas Dramatisches im Sinne,die Geschichte des unglücklichen Alerei in Nutzland, werde aber ganz gewiß auch nicht die aller-geringste Rücksicht auf unsere Narrenbühne nehmen, wenn ich's ausführe. Den Hofcr und Fried-rich hätte ich viel besser machen können, hätte ich nicht dabei an die alte Bude gedacht. Wollteman den Hofer dort nur dreimal ausbieten und nicht wiederholen, so wäre mir's lieber gewesen,sie hätten es ganz unterlassen. Man mutz seitens der Direktionen entweder jetzt Kraft und Kon-sequenz genug besitzen, um das Publikum an dramatische Dichtungen wieder zu gewöhnen, oderwenn man diese Eigenschaften nicht besitzt, mutz man von solchen Sachen ganz abstrahieren undsich mit der Marktware behelfen.

Ich sende Ihnen hierbei meine Gedichte. Die Druckfehler sind, wie man sie nur in einemCottaschen Artikel erwarten kann, und ich bitte, vor der Lesung zu korrigieren, denn es steht vielUnsinn im Buche. Leben Sie wohl für diesmal, mein lieber Heine. Ich wünsche Ihnen froheTage als Ihr treuer Freund

Immer mann.

Herrn vr. H. Heine Wohlgeb. zu Hamburg."

Schon vorher hatte Jmmermann in einer Besprechung des ersten Bandes der„Reisebilder" in den „Berliner Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik" seineMeinung über den Dichter ausgesprochen. In dem bisher gleichfalls wenig bekanntenBegleitbrief an Varnhagen schreibt er am 21. Februar 1827: „Beiliegend, ver-ehrter Freund, übersende ich Ihnen die versprochene Kritik über Arnim und Heine.Die Veränderung meiner Verhältnisse (wovon nachher) macht es mir ganz unmöglich,

in diesem Augenblick auch Stessens zu beurteilen Eine Zusammenstellung,

wie ich sie mit Arnim und Heine versucht habe, wäre mit Stessens doch nichtmöglich gewesen. Für ihn sind wieder andere Gesichtspunkte nachzusuchen. Ichwünsche nun nichts mehr, als daß meine Arbeit Ihnen und der Gesellschaftgefallen möge. Ich habe sie so gut gemacht, wie es mir möglich war, und ichbin dem Gesichtspunkte treu geblieben, daß eine wissenschaftliche Kritik immer zugewissen allgemeinen Rücksichten und Uebersichten hinstreben, diese aber auch wiederdurch sorgfältige Beachtung des Einzelnen darlegen muß. Ein Beweis ist freilichauf diesem Felde nicht zu führen. Man kann aber wenigstens durch Gründlichkeitetwas Beweisähnliches treffen, freilich muß man dann etwas ausführlich sein.In der Kürze sind solche Arbeiten nicht zu fassen, und so ist denn auch die meinigelang geworden". Die tiefere Bedeutung Heines als eines deutschen Humoristenund den Wert seiner Reisebilder für die Kultur der Zeit, in der sie die ganzeMenschheit so tief ergriffen, hat Immermann in seiner Besprechung freilich nicht