Die Genien. Platen. 167
haben. Vielleicht geben diese Zeilen die Anregung hierzu für Bibliographen undLitterarhistoriker!
Die Fehde Platen contra Heine und Jmmermann ist zur Genüge bekannt undin diesem Buche schon ausführlich besprochen worden. Jmmermann hatte, wiegesagt, eine Anzahl von Temen für den zweiten Band der „Reisebilder" gesandt,die Heine mit der Bemerkung aufnahm, daß er diese bis auf wenige Aus-nahmen, die er mit Sternen bezeichnete, „gern als seine eigenen Gesinnungen"vertreten wollte. Platen hatte sich in seinem Lustspiel „Der romantische Oedipus"gegen Heine und Immermann einige sehr alberne Scherze erlaubt. Der Haupt-held des Werkes hieß Nimmermann,- Heine aber hatte er einen „Pindar vomStamme Benjamin", den „Petrarca des Laubhüttenfestes", des „sterblichenGeschlechts der Menschen Allerunverschämtesten" genannt, „dessen Küsse Knoblauchs-geruch absonderten". Wenn man behauptet, daß Platens Angriffe gegen Heineund Jmmermann in dem tiefen Gegensatz seiner formstrengen und idealen Naturbegründet waren, so darf man doch auch nicht übersehen, daß diese Angriffezunächst ohne jede Provokation von seiten beider erfolgt waren, und daß sichPlaten durchaus nicht in künstlerischen Grenzen hielt, sondern die Polemik zuerstauf persönliches Gebiet hinüberspielte. Und doch hatte er selbst eingestehen müssen,daß er weder von Heine noch von Jmmermann etwas gekannt habe, als er seinenOedipus schrieb. Bisher unbeachtet ist aber das Bekenntnis Jmmermanns inseinen „Maskengesprächen" geblieben, daß er kurz vor dem Erscheinen jenes Werkessogar die Absicht gehegt habe, sich Platen brieflich zu nähern.
Immermann wehrte sich gegen die Angriffe Platens in seiner Entgegnung: „Derim Irrgarten der Metrik umhertaumelnde Kavalier, eine litterarische Tragödie",in ernster und kräftiger Weise. Heine aber war noch viel tiefer als Jmmermannverletzt und führte im dritten Teil seiner „Reisebilder" jenen Vernichtungskampfgegen Platen, der ihm selbst so sehr geschadet hat, und der, weil er von persön-lichem Haß und tiefer Bitterkeit erfüllt war, erheblich über das Ziel hinausschoß.Mit dem Erscheinen des dritten Bandes der „Reisebilder" trat eine verhängnisvolleWendung im Leben Heines ein. Hatte man ihn bis dahin geehrt, ja sogar geliebt,so wurde er von nun an gefürchtet und in vielen Kreisen gehaßt. Ja, einen der auf-richtigsten, vielleicht sogar seinen besten Freund hatte Heine durch diese Polemik gegenPlaten ganz verloren. Auch Varnhagen von Ense drückte sich scheu beiseite. NurJmmermann harrte treu bei dem vielgeschmähten Freunde aus, und es ist wichtig,das zu konstatieren. Hatte er schon vorher Heine gar oft in seinem Unmut getröstetund ihm z. B. nach London einmal geschrieben: „Nun, Lieber, werden Sie nurin dem kastendunklen London nicht ganz und gar zum Spleenmann i obgleich dasLeben nicht viel taugt, so muß man es doch lieben, wie man ja so manche Schöne