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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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116 München.

Außerdem wurde Heine, wie Strodtmann berichtet, kurz vor semer Abreise ausMünchen von dem Porträtmaler Reichmann gezeichnet. Das Bild soll für dieMutter bestimmt gewesen sein und bei dem großen Brande in Hamburg 1842ein Raub der Flammen geworden sein. In der That meldet er Moser schon ausItalien am 6. September, daß er sich in München, wo er ein köstliches Lebengeführt habe,von einem der besten Porträtmaler habe abkonterfeien lassen". DasBild ließ er über Berlin nach Hamburg reisen, damit es die Freunde dort sähen.

Der einzige Wermutstropfen in diesem köstlichen Münchner Leben waren diehäßlichen Angriffe der Klerisei auf ihn und seine Werke.Männiglich bekannt"schrieb Heine später ^sind die giftigen Jämmerlichkeiten, welche die ultramontane,aristokratische Propaganda in München gegen mich und meine Freunde ausübte."

Schon in Frankfurt a. M. hatte ihm Ludwig Börne beim Abschied ins Ohrgeflüstert!Hüten Sie sich, in München mit den Pfaffen zu kollidieren!" Heinemag wohl über diese Warnung gelacht haben, aber es zeigte sich doch bald darauf,daß der vorsichtige Börne recht hatte. Heine hat in späteren Jahren dies selbstzugestanden; aber seine Klagen über die Angriffe und Ränke der Jesuiten gegenihn waren, wenn man so sagen darf, bisher nicht substanziiert, das heißt, manvermochte nicht, die Berechtigung derselben zu erkennen, man wußte nicht, woraufsich diese Klagen beziehen.

Der Aufenthalt Heines in München ist überhaupt bis jetzt eine der wenigbekannten Episoden im Leben des Dichters. Jeder neue Beitrag zur Aufhellungdieses für die Entwicklung Heines so wichtigen Zeitabschnittes wird daher mitDank aufgenommen werden dürfen. Aber kaum dürfte jemand in einer ausführ-lichen Biographie des berühmten Theologen Jgnaz v. Döllinger von dem alt-katholischen Professor I. Friedrich in München neue Aufschlüsse über HeinrichHeines Leben erwartet haben. Diese Mitteilungen sind um so interessanter, alssie uns den Schlüssel zum Verständnis eines Heineschen Gedichtes bieten, in demein starker Haß gegen Döllinger zum Ausdruck kommt.

Wer sich mit Heines Leben eingehend beschäftigt hat, der ist sicher zu der lleber-zeugung gelangt, daß die meisten seiner Angriffe auf persönlichen Eindrücken undAnimositäten beruhen. Es ist dies eine keineswegs erfreuliche Wahrnehmung, aberes wäre thöricht, sie zu vertuschen oder in Abrede stellen zu wollen. Schon längsthatte ich die Ileberzeugung, daß Heine irgendwo und irgendwie einmal mit Döllingerin Kollision geraten sein mußte.

Ein Zufall verschaffte mir darüber Gewißheit, aber ehe ich dazu gelangte, dieAkten des Prozesses Heine contra Döllinger zu veröffentlichen, kam mir ProfessorFriedrich, der berühmte altkatholische Theologe, mit seiner Biographie Döllingerszuvor, indem er diesen Beziehungen den größten Teil des sechsten Kapitels im ersten