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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
84
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84 Dramatische Pläne.

dann weiter in diesem Tagebuch:Heine gedenkt einen Faust zu schreiben. Wirsprachen viel darüber, und seine Idee dabei gefällt mir sehr gut. Heines Faustwird genau das Gegenteil von dem Goethes werden. Bei Goethe handelt Faustimmer, er ist es, welcher dem Mephistopheles befiehlt, das und das zu thun. BeiHeine soll Mephistopheles das handelnde Prinzip sein, er soll den Faust zu allenTeufeleien verführen. Bei Goethe ist der Teufel ein negatives Prinzip, bei Heinesoll er positiv werden. Heines Faust soll ein Göttinger Professor sein, der sichin seiner Gelehrsamkeit ennuyiert. Da kommt der Teufel zu ihm und belegt einKolleg, erzählt ihm, wie es in der Welt aussieht, und macht den Professor kirre,so datz dieser nun anfängt, liederlich zu werden. Die Studenten auf dem Ulrichfangen an, darüber zu witzeln. »Unser Professor geht auf dem Strich«, sagensie, »unser Professor wird liederlich«, heitzt es immer allgemeiner, bis der HerrProfessor die Stadt verlassen mutz und mit dem Teufel auf Reisen geht. Aufden Sternen haben die Engel inzwischen Theegesellschaften, zu denen sich auchMephistopheles einfindet, und dort beratschlagen sie über den Faust. Gott sollganz aus dem Spiel bleiben. Der Teufel schließt mit den guten Engeln eineWette über Faust. Die guten Engel liebt Mephistopheles sehr, und diese Liebe,besonders zum Engel Gabriel, denkt Heine so zu schildern, datz sie ein Mitteldingzwischen der Liebe guter Freunde und der Liebe der Geschlechter wird, die beiden Engeln nicht sind. Diese Theegesellschaften sollen sich durch das ganze Stückziehen. Ueber das Ende ist sich Heine nicht gewitz, vielleicht will er den Professordurch Mephistopheles, der sich zum Schinder gemacht hat, hängen lassen, vielleichtwill er gar kein Ende machen, weil er dadurch den Vorteil erhält, manches in dasStück hineinbringen zu können, was eigentlich nicht hineingehört. Mir däucht,dieser Faust mutz sehr viel werden, nur fürchte ich und Heine ebenfalls, datz durchdie Theegesellschaften zu wenig Handlung hineinkommt".

Eine Woche später, am 23. Juli, schreibt Wedekind zum letztenmale über denHeineschen Faust:Mit seinem Plane ist er sehr zurückhaltend. Ueber seinen Faustspricht er viel mit mir, vielleicht aus eigener Lust, vielleicht, weil er auch von miretwas lernen zu können glaubt, vielleicht aber auch, weil er nicht die ernstliche Absichthat, ihn auszuführen, denn von seiner Novelle und dem Trauerspiel, das er jetzt vor-hat, spricht er gar nicht. Den Professor in seinem Faust wollte er zu einem Professorder Theologie machen. Ich riet ihm aber, einen Philosophen zu nehmen, schon weil erdann für seine Parodie ein viel weiteres Feld hätte, was er auch angenommen hat".

Das ist so ziemlich alles, was wir über Heines Faustplan aus dem Tagebucheseines Freundes erfahren. Aber dieser war im Irrtum, wenn er glaubte, Heinehabe nicht die ernstliche Absicht gehabt, dieses Drama auszuführen. Noch ein Jahrdarauf berichtet er einem neuen Freunde, Friedrich M erckel aus Norderney, datz seine