Die Tafelrunde. 75
Fälschung in ihrer ganzen Plumpheit erkennen zu lassen. Heine hat alle Parodieenaus seine Gedichte bitter gehaßt und hätte sich am allerwenigsten selbst dazu herbei-gelassen, eines derselben zu parodieren. Besitzen wir also keine Briefe vonHeine an Grabbe und von diesem an Heine, so haben sich doch dafüreine ganze Reihe von interessanten Aeußerungen beider übereinander erhalten,welche hinreichen, um das Verhältnis zwischen diesen Dichtern in voller Klar-heit zu erkennen.
Hören wir zunächst, in welcher Weise sich Grabbe über Heine äußert. In demersten Brief, in dem er sich über seinen ehemaligen Berliner Zechkumpan ausspricht,in einem Briefe an seinen Freund und Verleger H. Kettenbeil in Frankfurt a. M.vom 1. Juni 1827, schreibt Grabbe: zu-opos! Heines Reisebilder? Habe vomersten Teile gehört, und zwar mittels alter Göttinger. Schreibt Heine erst Reisen,so heißt das: seine Produktionskraft ist aus und er flüchtet zum Erzählen vonBegebenheiten. Aber auch das wird ihm Schweiß gekostet haben. Einiger oderviel Witz, der jedoch gepreßt erscheinen möchte, wird auch darin sein, die Gedichtesind aber gewiß höchst erbärmlich, eben weil der Poetenjude Reisen schreibt". Manerkennt schon aus dieser ersten Aeußerung eine entschieden feindselige GesinnungGrabbes gegen Heine, die, man mag die Sache noch so milde beurteilen, keinenanderen Grund als kleinlichen Neid auf die Erfolge des Genossen hatte. DieseAnsicht wird auch durch die Mitteilungen aus den folgenden Jahren bestärkt.Sein Verleger macht ihm den Vorschlag, doch auch „ein in die Zeit sich fügendesWerk" zu schaffen. Darauf antwortet Grabbe am 20. Ottober 1831: „Dasletztere hält bei mir freilich schwer, denn so ganz kann ich mich nicht überwinden,bloß um ein paar Groschen schneller zu verdienen, geniale Flugblätter zu Bändenzu füllen, und weiter sind z. B. Börnes und Heines neue Schriften doch nichts.Etwas muß ich doch auch selbst an meinen Sachen lieb haben. Ich glaube, wirstehen auf dauerhafteren Füßen als diese Sommervögel". — Und ein Jahr darauf,am 9. Juli 1832, schrieb er wieder an Kettenbeil: „Ich glaube, andere benutzen ihreTalente mehr als ich, gui-l, weil sie es nötig haben. Heine und Börne lebenvon Buchhändlern und Zeitungsschreiben. Darum sind sie liberal, würden übrigens,wenn ich Kaiser würde und es der Mühe wert hielte, sie köpfen zu lassen, Fuß-leckerei lernen und sehr kaiserlich sein". Und an einen anderen Verleger, Schreiner,der ihm einige Bücher von Heine geliehen, schreibt er aus Düsseldorf etwa einJahr später in einem bisher wenig bekannten Briefe, der sich im Besitze desDichters Eduard Grisebach befindet: „Heine ist ein magerer, kleiner, häßlicherJude, der nie Weiber genossen hat, sich deshalb alles einbildet. Sein Schmerz,so unnatürlich er ist, mag wirklich sein. Poesien sind seine Gedichte aber nicht.Ich kann das Zeug nicht weiter lesen, Betrug, Lug und Dummheit. Alan muß