Die Familie Popert. Ig
heiratete den ebenfalls mit Glücksgütern gesegneten Kaufmann Bendix Schiff inAltona, während die jüngere von Hepmann Heine in sein Haus nach Hannovergeführt wurde. Adolf Strodtmann behauptet in seiner Heinebiographie (Bd. 1,S. 1), daß Heymann Heine „minder mit Glücksgütern gesegnet" gewesen sei, daßer in Altona gelebt habe und erst mit seiner jungen Frau nach Hannover ge-zogen sei. Strodtmann hat diese Mitteilungen von vi-. Hermann Schiff, der siein seine kleine Schrift! „Heinrich Heine und der Neuisraelitismus" (S. 6) hinein-brachte, aber selbst wohl niemals daraus Anspruch gemacht hat, als historische Quellezu gelten. Er nennt sogar den Namen des Mannes falsch, nämlich „Lob Heine".So kann man denn auch annehmen, daß jene beiden Behauptungen falsch sind.Die Familie Popert war in Altona eine sehr angesehene, und sie hätte ihre zweiteTochter sicher nicht einem armen Händler, wohl aber dem Sohne einer so angesehenenFamilie in Hannover gegeben.
Es ist recht interessant, daß eines der ältesten Mitglieder der Familie, SamuelPopert aus Koblenz, ein armer Halblitterat und humoristischer Schriftsteller war, derzugleich der erste Begründer einer hebräischen Druckerei zu Altona gewesen ist. Ertritt uns zunächst in einem eigentümlichen Schriftenkreis entgegen. Es ist vielleichtin weiteren Kreisen nur wenig bekannt, daß der Humor, dieser treue Freund desElends, die Juden während des Mittelalters auch im Ghetto nicht verlassen hat.Es existiert eine ganze Litteratur, die neben dem großen Schrifttum einhergehtund die sich bis ins frühe Mittelalter verläuft. Sie ist im sogenannten Juden-deutsch geschrieben und enthält zuvörderst deutsche Versionen aus Bibel und Gebet-buch, dann Erbauungsbücher, aber auch Geschichten, Romane, Possen und Gedichte.Den Mittelpunkt dieser judendeutschen Schriften bildet das Purimfest, der Karnevalder Juden, an dem sie sich wenigstens einmal im Jahre durch Laune und Witzfür die Sorge, die ihr Leben beherrschte, entschädigten. Es existiert eine ganzeReihe von kleinen Schriften und Pamphleten, die diesem Feste gewidmet sind.Dazu gehört auch eine berühmte Disputation zwischen einem Lehrer und zehnSchülern, wie und auf welchem Baume der persische Minister Haman, der großeJudenfeind, gehängt werden mußte. Dieses Schriftchen gab Samuel Popert 1715in Hamburg mit einer jüdisch-deutschen Uebersetzung unter neuem Titel heraus, mitder Bemerkung, daß er im Purimmonat Adar geboren, also zur Abfassung dieserReime besonders geeignet sei. Auch eine Ausgabe der „Rolle des Antiochus"gab er mit einem Chronostichon „Schütze uns vor Armut" und dem Motto heraus:
„Es drückt mich, darum druck' ich;
Was mich drückt, ist Gott bekannt,
Samuel Popert bin ich genannt."
Ein Ahne Heinrich Heines ist also bereits ein humoristischer Poet gewesen.