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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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Gottschalk van Geldern. 7

noch nicht vollendeten 34. Jahre seiner Lebenswanderungen durch Europa und denOrient 1774 zu Forbach im Elsaß gestorben. Sein Leben wurde in der Familien-legende bald zum Märchen. „Halb Ritter, halb Heiliger, bald als frommer Pilger,voll entfremdeter Anschauungen, bald als kühner Beduinenhäuptling, an buntenAbenteuern reich, waffenkundig und ein Rossetummler, dabei träumerisch und einVisionär, halb Faust und halb Don Juan, ein Gemisch von Scheich und Pro-phet, immer aber mls fesselnde Erscheinung im morgenländischen Gewände, sosteht der Einsiedler von Safed vor der Linderphantasie des der dunklen Kundeandächtig lauschenden Heinrich Heine." Dieser Großohm hat die Einbildungskraftdes Knaben so außerordentlich beschäftigt, daß er sich sogar in seinen Träumenmit ihm identifizierte und zu dem Geständnis gelangte: „Manche Idiosynkrasie,manche fatalen Sympathien und Antipathien, die gar nicht zu meinem Naturellpassen, ja sogar manche Handlungen, die im Widerspruch mit meiner Denk-weise sind, erkläre ich mir als Nachwirkung aus jener trüben Zeit, wo ichmein eigener Oheim war." Die vorstehenden Abbildungen aus seinem Tagebuchezeigen uns Simon van Geldern in den beiden am schärfsten seine Eigenart charakteri-sierenden Eigentümlichkeiten: Er entwirft sich eine Weltkarte, um darnach großeReisen zu unternehmen, er nimmt aber auf diese Weltreise alberne kabbalistischeRezepte für das Fieber, die Seekrankheit und andere Fährnisse mit.

Ohne Zweifel werden alle künftigen Biographen Heinrich Heines auf die merk-würdige Erscheinung des Jerusalempilgers Simon van Geldern zurückgreifen müssen,um viele Eigentümlichkeiten im Charakter wie in der Poesie Heines zu erklären.

Ganz anderer Art war, wie schon gesagt, der vr. Gottschalk van Geldern.Er wurde bald der Liebling der Stadt und der Gegend, seines unglücklichen VatersStab und Stütze, der reichste Ersatz für alle fehlgeschlagenen Erwartungen, die sichfür die Familie an den Namen des Erstgeborenen, an Simon van Geldern,knüpften. Im Jahre 1734 führte Gottschalk Sarla, die Tochter des David PinchasBock aus Siegburg, als Gattin heim. Auch er war für das Wohl seiner Glaubens-genossen eifrig besorgt und hat das Amt eines Vorstehers, welches in seiner Familieschon traditionell sich forterbte, mit seltener Treue und Aufrichtigkeit verwaltet. AlsLazarus van Geldern im Jahre 1769 nach einem Leben voller Mühsal das Zeit-liche segnete, da durfte er das Bewußtsein mit ins Grab nehmen, daß die ehr-würdigen Traditionen seiner Familie in seinem zweiten Sohne und dessen Kindernsich fortvererben würden. Fünf Kinder stammten aus dieser Ehe, zwei Söhne,Joseph und Simon, und drei Töchter, Bräunle oder Brünella, Hanna undPeierche oder Betty, die Mutter Heinrich Heines. Joseph van Geldern, derälteste Sohn, war der Stolz der Familie. Er studierte an den Universitäten Bonn,Heidelberg, Mainz und Duisburg. Hier promovierte er, wie sein Vater es zu-