Druckschrift 
Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Erstes Buch.

Aus der Jugendzeit.

Erstes Kapitel. Der Ahnensaal.

s ist eine für die immer wachsende Gemeinde der Verehrer des Dichters sicherbedeuwngsvolle Wahrnehmung, daß auch bei Heinrich Heine der Genius sichauf einem Boden angebaut hat, der für eine solche Aussaat empfänglich war.Schichten von Geschlechtern setzen eben alles voraus, was eine Geschichte zu habenberufen ist. Wir können jetzt durch gelehrte Forschungen den Stammbaum derFamilie bis in den Ausgang des 16. Jahrhunderts verfolgen.

Was hätte Heine selbst darum gegeben, wenn er einmal diesen Ahnensaal hättebetreten können, oder wenn er ich kann das Wortspiel nicht unterschlagenvon seinen Ahnen auch nur eine Ahnung gehabt hätte? Er hat aber nicht vielvon ihnen gewußt, und das wenige, was ihm bekannt war, hatte er den Erzählungenalter Muhmen zu verdanken, die sich bekanntlich nicht immer streng historisch aus-drücken. Eine geschichtliche Quelle sind also seine Mitteilungen keineswegs, undein Familienhistoriker mußte ganz andere Quellen aufsuchen. Erst seit kurzer Zeitkennen wir aber die Familie Heines; wir besitzen nun sogar ihren weitverzweigtenStammbaum in einer Ausdehnung, wie sie bei den deutschen Juden leider seltenist; wir wissen, daß die Ahnen des Dichters fast durchweg angesehene und gelehrte,durchweg aber fromme und gebildete Männer und Frauen gewesen sind, und dieLiebhaber der Vererbungstheorie können nun an das Entwickelungsergebnis ver-schiedener Geschlechter ihre mehr oder minder geschickten Kombinationen knüpfen.

Aber selbst wer dieser Theorie nur kühl gegenübersteht, wird nicht in Abredestellen können, daß auf der Abfolge von Geschlechtern doch wohl alles beruht, wasjemals groß und bedeutend in der Geschichte gewesen ist. Wie kleinlich nimmt sichdem geistigen Erbadel gegenüber, dessen Bild uns die Familiengeschichte Heinesaufrollt, die Streitfrage aus, die ja nun auch längst entschieden ist, ob die Familiebloß ihres holländischen Ursprungs wegen sich van Geldern oder eines nichtexistierenden Adelsdiploms wegen von Geldern zu nennen berechtigt war!

Karpeles, G., Heinrich Heine. 1