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Heinrich Heine
Entstehung
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XIX. Deutschland

Dichter hat sehr feine Nerven, fast so feine wie sein romantischerKollege Gentz, den schon der Knall einer zugeschlagenen Tür ent-setzte. Heine will Ruhe, Ruhe um jeden Preis. Es ist der Stand-punkt derLutetia", wo er auch für die Erhaltung des Bestehendeneintrat, so wenig es ihm auch gefallen mochte. So lehnt er auchin denZeitgedichten" alles ab, was auf eine Veränderung desbestehenden Znstandes, eine Bewegung im Gegensatz zu der ersehntenRuhe hinzielt. Sie mag von rechts oder links kommen, ein Fort-schritt oder Rückschritt sein, sie wird mitleidlos verworfen. Heinebegreift nicht mehr, daß es Menschen gibt, die etwas tun, die sichfür eine Idee begeistern und die Hoffnung hegen, etwas Positiveszu schaffen. Es erscheint ihm unaussprechlich komisch. Goethe sagteinmal zu Eckermann, daß der Handelnde immer beschränkt sei;es fällt nicht schwer zu zeigen, daß er mehr als das, daß er einNarr ist. Und Heine zeigt es. Wenn Leopardi ausruft: Die Weltist Kot, so antwortet er: Die Welt ist Dummheit. Der Romantikertritt der Wirklichkeit entweder als Pathetischer Ankläger oder zer-setzender Satiriker gegenüber. Der Unterschied ist weniger groß,als es scheint, denn beides geht auf dasselbe romantische Grund-gefühl zurück. Weder der eine noch der andre kann die objektiveWelt ernst nehmen, ernst nimmt er nur sich selber. Heine ist sichimmer Selbstzweck gewesen trotz aller Ideen, für die er sich be-geisterte. Aber damals, als er jung war, hatte er Freude an sichselbst, jetzt ist der Kelch der Jugend geleert, was soll er da noch,er, der nichts besitzt als sein altes müde gewordenes Ich und seineKunst oder Kunstfertigkeit? Ihm bleibt nur das eine, die eigeneNichtigkeit an allen auszulassen, die sich einreden, nicht gleich nichtigzu sein. Diese Stimmung ist nicht etwa durch die Krankheit desDichters erzeugt, sie bestand schon Jahre vor ihrem Ausbruch, imGegenteil, durch die Krankheit wird wieder etwas Positives in seinLeben getragen. Denn Leiden ist Bejahung des Lebens, und diesentsetzliche Leiden, das er erduldet, höchste Lebensbejahung.

Unter denZeitgedichten" befinden sich einige, die sich direkt anDeutschland wenden. Das eine wurde im Sommer 1840 geschrieben: