316 XII. Die Julirevolution
geschrieben wurden. Den stärksten Eindruck machte ans ihn dastechnisch unerreichte Geigenspiel Paganinis. Er hat das Auftretenund den Zauber dieses Meisters später in den „FlorentinischenNächten" beschrieben und zeigt dort die gleiche Fähigkeit wie seinVorbild E. Th. A. Hoffinann, die innigsten Wirkungen der Musikdurch das Wort wiederzugeben. Heine war eine musikalische Natur.Jedes seiner Lieder bestätigt es. Freilich innerhalb der Grenzenseiner Zeit. Rossinis Kunst oerstand er, Beethoven erfüllte ihn mitGrauen, Bach war ihm langweilig, Meherbeer dagegen hielt erfür einen großen Komponisten, bis ihm die persönliche Feindschaftden Blick für die Schwächen des ckivino inaastro öffnete. Er eiltein dieser Verurteilung dem Kunstverständnis seiner Zeit voraus.Selbst Goethe schätzte Meherbeer sehr hoch und bedauerte, daßseine italienischen Neigungen ihn verhinderten, die Musik zu „Faust"zu schreiben. Auch an dem Wunderkind Felix Mendelssohn nahmHeine ein gleiches Interesse wie Goethe, wenn er auch dem EnkelMoses Mendelssohns den Übertritt zum Christentum nie verzieh.
Aber dieser geringe Verkehr und die geringe Tätigkeit fülltenden Dichter nicht aus. Es ist wohl diesem Nichtstun, dieser Leereseines Daseins, verbunden mit dem lastenden Druck der Zeit, zu-zuschreiben, daß er sich damals einem ziemlich wüsten Lebenswandelergab. Er selber schrieb an Varnhagen: „Als ich, außer meinemkörperlichen Unwohlsein auch mit geistigem Mißbehagen, welchesgrößtenteils durch mein letztes Buch verursacht wurde, zu schaffenbekam, griff ich zu meinem gewöhnlichen Hausmittel, welches darinbesteht, daß man nicht mehr zu Hause eingezogen lebt und daßman deni kranken, verdrießlichen Leibe so viel Lebensfreuden alsmöglich abtrotzt." Heine hatte eine sehr geringe Meinung von denFrauen. Das Weib ist ihm nur Genußmittel, selbst seine eigeneFrau hat er später nie anders betrachtet, wie sie ihm auch nurdie Befriedigung der Sinne bieten konnte. Dieser Dichter, derjahrelang von Liebe und nichts als Liebe sang, ist nie von einerreinen, geschweige einer bedeutenden Frau geliebt worden. Es gibt,abgesehen von der Korrespondenz mit Mathilde, keinen Liebesbrief,