Die Bäder von Lucca
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ist es ja, er selbst ganz persönlich, der als Romanheld erscheint,der von allen Frauen geliebt und von allen ins Vertrauen gezogenwird. Er erinnert sich mit Mathilde der gemeinsamen Liebe vonRamsgate, er gewinnt beim ersten Anblick die Huld der Franziska,und er findet in Gumpelino und Hirsch-Hyacinth alte HamburgerFreunde wieder. Nur die Person dieses unwiderstehlichen HeinrichHeine stellt die Verbindung zwischen den verschiedenen Welten derErzählung her, der englischen, der italienischen und der jüdischen.Sie haben nichts miteinander zu tun, und wenn sie hier auf demengen Raum eines Badeortes vereinigt sind, so geschieht es, weilsie Stufen im Leben des Verfassers darstellen. Vor einem Jahrwar er in England, darauf folgte die italienische Reise, und dasJudentum begleitete ihn überall, wohin er den Fuß setzen mochte.
Die englische Gesellschaft beschränkt sich auf eine Lady Mathildeund Julie Maxfield, von denen die eine als Stimmungsfigur eineEpisode der ersten Kapitel bleibt, die zweite nur von ferne erscheint,als gewährende Liebhaberin des edeln Marchese Gumpelino. Dieitalienische Gesellschaft besteht aus einer alten und einer jungenTheaterdame nebst den beiden bejahrten Liebhabern der elfteren,einem Professor und einem Sprachlehrer aus Bologna, zwei Ruinender Liebe, die zwar selber verfallen, aber darum den Ruhm ihrerKönigin nicht weniger verkünden. Schon Goethe ist im „Meister"in die zweifelhafte Welt der Komödianten hinabgestiegen. Indem kürzlich wieder aufgefundenen, damals nicht bekannten „Ur-meister" stellt er sie mit scharfem Realismus dar, in den „Lehr-jahren" wurde die Brutalität gemildert, ja stilisiert, so daß dieRoheit einem schönen Schein den Platz räumte. Die Romantikhuldigte mit „Lucinde" einer freien Sinnlichkeit, aber sie war dasVorrecht des auserwählten Menschen, des großen Individuums,das sich über die Schranken des Alltags hinwegsetzen darf. DieseSinnlichkeit war geistig, unanständig in der Theorie, aber nichtrealistisch. Die Liebe der späteren Romantiker war sentimental undwirklichkeitsfremd. Sie bestand in einer ewigen Sehnsucht, in einerschmachtenden Hingabe, die kein körperliches Ziel ihrer Wünsche