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IX, Zwischen Dichtung und Politik
den Vorstoß gegen Platen die Quelle des größten Unheiles fürunfern Dichter, aber es kümmerte ihn wenig, wie er damals erklärte,ob er sich ein Dutzend Feinde mehr oder weniger aufsackte.
Die Idee, daß er in die neue Schrift alles und jedes aufnehmenkönne, war eine Folge der „Harzreise". In ihr war der Verfasserzum Bewußtsein seiner Kunst gekommen, daß er ans dem Kleinstenetwas machen könne oder wie er an Merckel schrieb: „Im Grundeist es ja auch gleichgültig, was ich beschreibe. . . und was ich ausden Dingen nicht heraussehe, das sehe ich hinein." Das ist derStandpunkt des Dichters, der nur durch die Form, nicht durch denInhalt wirken will. Für den Politiker aber ist der Inhalt dieHauptsache und Heine will hier in erster Linie Politiker sein. Soentstand eine Verbindung von Dichtung und Politik, die Heineallerdings als einen besonderen Triumph zu betrachten geneigt war.Sie entsprach auch den Bedürfnissen einer Zeit, in der die Politikvon Künstlern und Gelehrten gemacht wurde. Die „Nordsee III"ist weder Politik noch Dichtung, sondern ein Mittelding, eine übleStilvermischung. Man kann sie am besten als eine Zusammen-stellung mehrerer zeitgemäßer Feuilletons bezeichnen, von denen daseine, die Schilderung der Insel Norderney, den Rahmen bildetund die andern über den Adel, über die Religion, über Napoleonund über Goethe umschließt. Es sind die bewährten Themen desLiberalismus und in der üblichen Weise werden sie auch behandelt.
Die Religion wird als ein verjährter Rest des Mittelalters abgetan,da die Tage der „Geistesknechtschaft" vorüber seien, der Adel wirdals Feind der Freiheit bekämpft, und zumal in den „hannöverschenAdelswald" sei trotz der nahen Beziehungen zu England „nie einStrahl britischer Freiheit gedrungen". Napoleon dagegen erscheintals der Mann des Volkes, „als der neue Mann der neuen Zeit",als die Synthese des revolutionären und kontrerevolutionären Prin-zipes, und daher „beständig naturgemäß, einfach, groß, nie krampf-haft barsch, immer ruhig milde" in seinen Handlungen. Heineträgt diese Ansichten in deni gewohnten blendenden Stil, untervorzüglichen Witzen und stets geistreich vor, sieht man aber von