VIII. Dil.' e r f t e li Neistebildc r
as nun? Das Examen war bestanden, die Taufe vollzogen.Der Zufall brachte es, daß unmittelbar nach diesen Er-eignissen Salonion Heine durch Göttingen reiste. Doch zu einerAussprache über die Zukunft des Dichters kam es nicht, vermutlichweil der schlaue Alte neue Ansprüche fürchtete und ein längeresAlleinsein mit dem Neffen vermied. Immerhin schenkte er ihm inder Freude über die endlich bestandene Prüfung die beträchtlicheSumme von fünfzig Lonisd'or, die der Dichter zu einem wohl-verdienten Erholungsurlaub an sein geliebtes Meer verwendete.Sechs Wochen des Spätsommers verlebte er in Norderney. Eswar eine glückliche und vergnügte Zeit. Die Seeluft heilte seineKopfschmerzen. Tagelang streifte er auf dem Wasser im kleinenKahne umher, schoß Seehunde und blickte in den Dünen liegendzum blauen Himmel empor. „Nächte am Meer, wundervoll groß!"heißt es später in einem seiner Briefe.
Die Begeisterung für das Meer ist ein romantisches Gefühl. Derklassische Mensch liebt die ruhige sonnenbeglänzte See als länderver-bindendes Element, der stürmische Ozean erregt ihm Grauen. Nützlichund schön fallen für ihn zusammen. Umgekehrt ist für den Romantikeralles Nützliche langweilig und reizlos, so ist auch Heine mit dem Meer,„wenn es tobt, ganz herzinnig vertraut". Die brausende Woge tut ihmwohl, sie ist, wie er an andrer Stelle schreibt, sein „wahlverwandtesElement" und ihr Anblick ist ihm heilsam. In dem erregten Meerfindet der Romantiker seine eigene Zerrissenheit wieder, in seinerUnbegrenztheit die Unendlichkeit der eignen Sehnsucht, das Un-gezügelte entspricht seiner Denkweise, deren Grundgefühl die Ab-neigung gegen die Gesetzmäßigkeit bildet. Die Schönheit des Klassikersbesteht in der Harmonie der festen Form, in der Ordnung. AlsGoethe das Meer von dem Venezianer Lido zum erstenmal sah,registrierte er ein gewaltiges Phänomen. Es erzeugte keine poetischeStimmung. Poetisch ist ihm die Überwindung der ungebändigten