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Deutsche Dichter seit Heinrich Heine : ein Streifzug durch 50 Jahre Lyrik
Entstehung
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176
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DER LÄUFER.

Auf eine Statue des Myron.

So sah ihn Delphi damals, jubelbrausend,

Vor Thymos fliehn durchs Ziel: Den Rumpf so schlankGedehnt, das Auge starr, die Arme langGestreckt, auf Hermes Flügelfüßen sausend.

Und er, der’s bildete vor ZweimaltausendJahren und mehr, das Werk, das ihm gelangSo lebentäuschend, schuf er’s, oder sprangDer Läufer aus der Form, und stand er grausend?Fiebernde Hoffnung^ macht die Lippen beben,

Erz perlt von der Stirn, die Muskeln schwellen,

Die Palmen sieht er sich entgegenheben:

Kaum noch am Sockel haften diese schnellenFedernden Sohlen, ja, nun schwebt er, fliegtBeschwingt durchs Stadion, hält und hat gesiegt.

D er Genius der deutschen Lyrik ist wie der Läufer desMyron. Unermüdlich schwellt sein sieghafter Drangneuen Zielen und Kränzen zu, er stürmt, er schwebt,er hält wie jener.

Lassen Sie mich ein andermal, wenn Lust und Lieberufen, von neuem Schwellen und Schwingen, Sausen undSiegen künden, es soll dann gleichfalls der echten Dichte-rinnen unserer Tage gedacht werden, deren Lied von tiefe-rem Leben glüht, und noch auf manch einen kräftig und edelDahingetragenen, der die heilige Säule seines eigenen künst-lerischen Sehnens sucht, möchte ich dann Ihre Blicke richten.

Es ist eine Freude, jeden jungen Keimfrühling mitzuer-leben, wenn man selbst das wurzelstarke Steigen der Säfteim frischen Wachstum der Lebensringe verspürt. Denn auchwir wollen die Früchte voll ausreifen lassen, die sich unterSchloßen und Schauern kernfest und an zähen Stielen ge-bildet haben, und wollen den Tagen einer schönen Ernteschaffend und zukunftgrüßend entgegenschreiten.