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Gewöhnlich liegt bei dem Beschießen einer Festung derdoppelte Zweck zum Grunde: die Umwalluug zu öffnen, und danndurch das Anzünden der Gebäude die feindlichen Magazine undVorräthe zu verbrennen, und die Besatzung zur Uebergabe ge-neigt zu machen. Die erstere Absicht wird — wenn sonst derBelagerer mit Intelligenz verfahrt — allezeit erreicht, und dieErstürmung des Hauptwalles dadurch möglich gemacht und vor-bereitet; die letztere jedoch nur unter sonst günstigen Umstanden,wenn es dem Kommandanten und der Besatzung an Entschlossen-heit und gutem Willen fehlt. Im entgegengesetzten Falle wirddas Beschießen allein, mir Bomben und glühenden Kugeln,die Einnahme der Festung nie zu bewirken im Stande seyn,wenn auch die Mehrzahl der Einwohner dadurch ihrer Habe be-raubt und elend gemacht wird. Der menschliche und mit seinerKunst vertraute Artillerist wird deßhalb seine Projektilen nichtgegen die Gebäude richten, solche Rohheit dem Unwissenden über-lassend, der zu wenig Meister seines Mörsers ist, um die Bom-ben auf ein einzelnes Festungswerk zu werfen, und es deßhalbvorziehet, die ganze Festung zum Ziele zu wählen. Obgleich da-her die Kriegsgeschichte einige Beispiele aufstellt, daß Festungendurch Beschießen mit glühenden Kugeln, mit Haubitzgranatcn undmit Brandkörpcrn, d. h. durch ein sogenanntes Bombarde-ment erobert wurden; obgleich selbst ein neuerer Artillerie-Ge-neral die Anwendung dieser Angriffsweisc empfiehlt, um wenig-stens die ersten Belagerungsarbeiten dadurch zu erleichtern, weil,,die dazu erbauten Batterien das feindliche Feuer ableiten;"lassen sich doch eine weit größere Menge Fcstungsangriffe anfüh-ren, wo ein bloßes Bombardement erfolglos blieb. Nachdem von Coblcnz 1688, während dessen die Franzosen das Horn-werk von der Moselbrücke mit Sturm nahmen, und dennoch un-verrichteter Sache abziehen mußten, schrieb Naubau an denKriegsminister Louvois: „Die Eroberung des Werkes ist eine„kräftige That und des französischen Muthes würdig. Wozu„soll sie aber nützen? Welche Vortheile wird der König von die-„sem Bombardiren haben, und wie viel Festungen sind bis jetzt„dadurch erobert worden? Ware es nicht besser, die Bomben zu„sparen, als sie bei zwecklosen Unternehmungen zu verschwenden,„wahrend man sie uns bei den Belagerungen zuzahlt und ich im-„mer den Artilleristen verbieten muß, zu werfen ; weil ich fürchte,„daß mirs daran fehlen wird." — So ward Namur 1704ohne Erfolg von dem General Overkerk drei Tage lang bom-bardirt, und binnen 3 Tagen mit 3000 Bomben beworfen, dieBrandkugeln und glühenden Kugeln ungerechnet. In der 84tä-gigen Belagerung von Landau wurden nur 8 Menschen durch dieBomben beschädigt, und 17600 Bomben konnten die Uebergabevon Turin nicht herbeiführen; das zwei und zwanzigtägige Vom-