Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
350
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XX

Kailton Solothurn.

l. Die öladi öoiolhurn.

5?er Aarstrom, m seinem siebenzig Stunden langen Lauf fastimmer wild und verheerend, schmiegt sich fromm und ruhig andie Mauern Solothurns, sobald er diese berührt. Der Calem-burg des Franzosen: «/O'est 1'nrt. (l^Varo) lzui omlivllit In iinturo,"paßt ganz eigentlich hieher. Denn die Landschaft, trotz dem nahenWaldgebirg des Jura, trotz Hügel« und fruchtbaren Thälern,gewährt beim ersten Anblick nichts Auszeichnendes, nichts Ueber-raschendes. Sie gleicht einer der Schönen, die Anfangs nicht blen-den, sondern erst bei näherer Bekanntschaft immer reizender er-scheinen.

Selbst die Stadt, ungeachtet ihrer elf bis zwölf Kirchen (fastzu viel für eine Bevölkerung von etwa 4390 Seelen) bietet keingroßartiges Bild. Vermummt in ihre Festnngswälle, ist siedahinter kaum halb sichtbar. Doch wird endlich Hand angelegt,ihr den so entbehrlichen, als ungesunden Mantel abzunehmen,der ihr vor ungefähr hundert Jahren, nicht zum Schutz gegenausländische Eroberer, sondern gegen das eigne, unterthänigeVolk, umgehangen worden war. Dies arme Volk, das nochbis zum Jahre 1785 guten Theils in der frei genanntenSchweiz das Joch der Leibeigenschaft trug, es mußte damalsselber frohnsweise zum Feftungsbau helfen. Indessen waren ihmdie Schanzen und Graben gar nicht so furchtbar, als man glau-ben sollte. Wollten die Bauern einmal, auch bei verschlossenenTbmen in die Stadt, so erlaubten sie sich das Vergnügen, Nachtsüber Wall und Mauer zu springen, wie weiland Bruder Remus