Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
321
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Anziehendes, weil die Schöpferin ihr strenges Gesetz der Noth-wendigkeit verlassen und spottend einen Einfall des freischaffen-den Menschengeistes ausgeprägt zu haben scheint. Am Fußeeben desselben Hügels ein andres Spiel. In einer lieblichen Ge-gend, bei einer Mühle neben der Landstraße, entspringt der fünf-zehn Stunden lange Waldstrom der Birs. Die Quelle geht stillunter der Felsenplatte des Berges, hart über dem Wasserspiegeldes entstehenden Bachs, hervor; aber so mächtig, daß ihre Wellenkaum ein Paar hundert Schritte weiter, das Räderwerk desMüllers umherjagen. Vermuthlich ist sie nur die Wiedererscheinuugeines jener Bäche und Ströme, deren sich in den hochgelegenenThälern des Kantons Neuenburg mehrere plötzlich in dortigenKlüften und Felsentrichtern verlieren und unsichtbar werden. Nachmeilenlangem unterirdischem Lause drängen sie jählings wieder zumTageslicht hervor.

Auch bei der kleinen, freundlichen Stadt Viel, zwei bis dreiStunden von hier, am Fuße des Jura, bricht eine ähnliche, sichimmer gleiche Wasserfülle in einer Felsgrotte aus, und setzt sogleichmehrere Mühlen in Thätigkeit, während sie bei hundert Brunnenernährt. Sie steigt fast senkrecht aus der Tiefe der Erde; dasSenkblei fand kaum bei 400 Fuß einen Grund. Und so reissendist der Bach, besonders wenn er unter Regenwetter anschwillt,daß im Jahr 1805 ein französischer Soldat, der hineinstürzte,durch den unterirdischen, gewölbten Kanal, unter der Stadt biszum Süßstrom, das heißt 800 Schritt weit, in einer einzigenMinute geflutet ward. Der Verunglückte kam unversehrt zum Vor-schein und wurde gerettet. Das Wasser der Quelle selbst ist un-wandelbar rein und hell, wie Kristall. Nur einmal in Jahrhunder-ten stoß sie trübe, als das fürchterliche Erdbeben von Lissabon(1755) die Eingeweide des Erdballs schüttelte.

Wer kann aber von Viel reden, ohne an seinen See unddessen sanfte Umuferungen zu denken, und an die in dessen Schoosgelegene, von seinen klaren Wellen geliebkosete St. Petersinsel?Es ist ein hesperischer Naturgarten auf Calypso's Zaubereiland.Wer je sie unter ihren Blüten oder Früchten sah, weiß wohl,daß ich nicht zu viel sage. Der arme, kranke, von Genf VertriebneRousseau, welcher hier zwei Monden lang in verborgner Ruhewohnte, noch zeigt man seine Zimmer, deren nackte Wändevon tausend Namen und Sinnsprüchen der Wallfahrter schwarzgeworden sind, nannte diesen Aufenthalt den schönsten seinesLebens, der ihm in späten Jahren noch Heimweh machte. Aber

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