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2 (1838)
Entstehung
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muthwillige Winzerinnen, und Opferthiere mit vergoldeten Hörnernund Blumenkränzen geschmückt. Noch itzt versammeln die Guts-besitzer der ganzen Landschaft ihre Reb - und Ackerleute, sie gastlichbewirthend, zum Freudentag. Die Winzergilde cko8

vignerons) hat überdies ihr eignes gesellschaftliches Capital. Aberstatt, wie ehmahls alljährlich, geht, wegen des dabei gewachsenenAufwandes und der allseitig herzuströmenden Mengen lust- nndschaubegierigen Volkes, die Prozession nur alle sechs Jahre durchdie Stadt Vevay. Auch die Anordnung der Feierlichkeiten ist ge-schmackvoller, denn vormals; und den ausgezeichnetsten Rebleutenwerden aus den Zinsen einer eignen Kasse, Preise ertheilt.

Ich sage nichts vou Vevay's Umgegend, den prachtreichen Aus-sichten auf den Stufen des Berg-Amphitheaters, überwelches einTeppich von Kaftanienwäldern, Weinreben, Wiesen und Gärten ge-breitet ist, hin und wieder durch einen Giesbach zerrissen, andessen Ufern Lorbeern, Granaten und Feigen im Freien reisen.Doch nicht immer, was zu offner Schau steht, ist das Schönste.Das Reizendste idyllischer Scenerien liegt oft in kleinen Seiten-schluchten uod Thälchen, gleichsam in den Falten des weiten, grünenGebirgsmantels versteckt, wie das Veilchen im Grase. Auch dasSchloß Chillon ruht da in der Nähe, nur zwo Stunden vonVevay.

Diese sechshundertjährige Burg, regellos, nach dem Geschmackoder Bedürfniß verschiedener Zeitalter zusammengebaut, steigtaus dem Abgrund der Seewellen mit ihren düstern, felsenstarkenMauern, Schießscharten, kleinen und großen Thürmen, hervor,ohnweit dem Ufer, wie ein Ungeheuer der Gewässer. Es ist eingroßartiges Bild, dies gothische finstre Bauwerk mit seinemHintergrunde steiler Senkungen und fantastischer Umrisse des savoyi-schen Hochgebirgs. Der Mensch scheint hier, der Furchtbarkeitder Natur, seine eigne moralische Fürchterlichkeit entgegengestelltzu haben. Wie vielen Jammers und wie manches qualvollen TodesZeugen waren die dumpfen Kcrkermauern nnd Verließe drunten,in der Tiefe der Fluten! Byron, um das Elend eines hier ver-lassenen und vergessenen Gefangenen darzustellen, wählte dazuein Geschöpf seiner Einbildungskraft Ihm war der arme Priorvon St. Victor unbekannt.

Es war dies Franz de Bonnivard, Herr von Lnnes,der im ersten Jahrzehend des sechszehnten Jahrhunderts die GenferPriorei St. Victor empfing; ein ftarkmüthiger, edelherziger, mitden großen Geistern des Alterthums wohlvertrauter Mann, der,