Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
255
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Doch das Alles verliert und vergißt sich eben so schnell, alsman's gewahrt, unter dem Zauber erhabner Anmuth, von welchemdie ganze Gegend Überflossen ist. Südwärts, wo der Gebirgsstromder Arve, zwischen Hügeln und krausen Gebüschen der Rhoneentgegentanzt, schmückt sich ein üppiges Gelände gefallsüchtig mitallen Reizen, welche kleine Weiler und Dörfer, halb versteckt inObstwäldchen, edle Landhäuser im Schatten lombardischer Pappeln,ferne Städtchen, an Felsen geschmiegte Hütten, alle in lieblicherVertheilung, zwischen Wieseugrüuden, Baumgruppen und Hügeln,dem Auge anbieten können. Rechts wird das Bild von den wal-digen Halden des Juragebirgs und seinen starren Felsenkämmenumfangen; links von der hohen, farbiggestreiften, langen Berg-wand des Saleve. Hinwieder nordwärts stießt der weiteSpiegel des lemanischen Sees aus einander; belebt von 3 oder 4Dampfschiffen und Barken mit lateinischen Segeln; malerisch um-usert von prächtigen Villa's, Rebhügeln, Dörfern, Alleen, Wie-sen, Thürmen, Gebüschen und Gärten, die, in lieblichem Gedränge,um die Bewunderung des Zuschauers zu buhlen scheinen. DasSchweizergestade erhebt sich stufeuweis, ein ungeheueres Blumen-gestell, bis zu den letzten Höhen von stattlichen Ortschaften undLandhäusern, zwischen Weinbergen und Wiesen, blühend, dieunter sich, wie von Bändern, durch Straßen, zusammengeknüpftsind. Alles verkündet da den Boden, die Frucht und das Glückder Freiheit. Gegen über aber am andern Gestade stehn wildund nackt die Felsen und Eisberge Savoiens, mit dem Hauptüber den Wolken; zu ihren Füßen die Armuth unansehnlicherDörfer.

Kein Wunder, daß Genf und die Ufer des Sees, bis Vevayhinauf, die sommerliche Niederlassung zahlloser Lustwanderer ausFrankreich, Rußland, Deutschland, Polen, England, Amerikaund andern entfernten Weltgegenden sind. Der See selbst, größerals das gestimmte Landgebiet des Kantons Genf, (man berechnetden Flächenraum von diesem auf 22, von jenem auf 26 Geviert-stunden) ermüdet keineswegs durch Einförmigkeit des Schauspiels.Fast täglich ändert er chamäleontisch sein Farbenspiel und diePhysiognomie seiner Umgebung. Bald schmücken tändelnd leichteLüfte sein bläuliches Gewand da und hier mit silbernen, breitenWellenftreifen; bald schillert er in bunter Färbung dort grün,dort golden, oder blaßroth oder blau, hier dunkler, dort blitzend;zumahl an schönen, sonnigen Tagen, wenn selbst die nahen Riesen-berge Savoiens sich nicht erwehren können, ihre Wolkenschleier