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ähnlichen Beschwerden, zur Nachahmung des vom Tessin gegebnen
Beispiels.
3. Locarno.
Italienische Bauart, italienische Luft, italienische Naturprachtund italienische Nachläßigkeit! Weinreben, die wild und üppig überzerrissenes Gemäuer und verfallene Gestelle ranken; Kapellen zwi-schen Lorbeergebüschen, die sich hangend im See spiegeln; ein warm-blütiges, regsames Völkchen voller Lebeluft und Andacht unter einemHimmel, dessen Winter selbst den Citronen-und Pomeranzenbäumen,bei nur weniger Fürsorge, nicht gar gefährlich ist.
Das Städtchen Locarno (deutsch Luggarus) am Lago maggiore,obgleich es in kaum 300 Häusern nicht volle 2000 Einwohner Hat,ist dennoch, neben Lugano und Bellinzona, eine der drei Hauptstädtedes Kautous Tessin, wo, abwechselnd mit jenen beiden, die höch-sten Behörden des Landes, sechs Jahr nach einander ihren Sitzhaben. Denn einer einzigen Ortschaft diesen Vortheil oder dieseEhre zu gönnen, wie in den meisten andern kleinen Staaten derSchweiz, dazu hätte sich neidischer Eigennutz, oder stolze Eifersuchtder Tessinesen nimmermehr bereden lassen. Zudem ist die Stadt, inreizender Lage am Seehafen und Fuß des Gebirgs, in neuerer Zeitum Vieles verschönert worden. Es fehlt ihr nicht an prächtigenKirchen neben vier Klöstern; und alle vierzehn Tage wird sie durcheinen Markt, den bedeutendsten des ganzen Landes, belebt, wozualle Gebirge und Thäler des Tessin, und das benachbarte Piemontund Lombardien, Käufer und Verkäufer in ihren bunten Landes-trachten in Fülle senden. Ein Markttag zu Locarno >'st wirklich einsder sehenswürdigften Schauspiele, wo Männer und Weiber aus ab-gelegnen, nie von Fremden besuchten Thälern, in ihren oft geschmack-losen, oft malerischen Nationalgewäudern, erscheinen und wie imKarneval durch einander schwärmen; hier halbnakte, braungelbe,schreiende Fischer, dort im neuesten Modegeschmack elegante Zier-linge; hier cretinenartige Geschöpfe, dort griechische Göttergestaltenaus einem Piemonteserthal, oder die mit Gold- und Silberfransengeschmückten Schönen des Vegezzathals.
Eine andre Merkwürdigkeit dieses Städtleins oder Marktsteckensist der unsterbliche Spießbürgergeist seiner Bewohner. Man sollte esnicht glauben, und doch ist es Wahrheit, daß sich in dieser dünnenBevölkerung noch immer, in siebenfacher Abstufung, ein Unterschiedder Stände behauptet, oder vielmehr der Volksklassen, wie man,